Festung Friedrichsort: Kiels historisches Juwel im Privatbesitz
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Die Festung Friedrichsort ist Deutschlands einzige Seefestung und ein bedeutendes Stück Geschichte an der Kieler Förde. Die ehemalige dänische Festung steht seit 1966 unter Denkmalschutz, befindet sich aber seit 2006 in Privatbesitz und kann nur bei Führungen besucht werden.

Strategisch wichtige Lage an der Ostsee
Die Festung liegt im Stadtteil Friedrichsort am Westufer der Kieler Förde. Sie wurde an der schmalsten Stelle der Förde errichtet, der sogenannten Friedrichsorter Enge. Von hier aus kontrollierte sie den Ausgang zur Ostsee und die Einfahrt zum heutigen Nord-Ostsee-Kanal.
Die Festung entstand auf einer von zwei Seiten von Wasser umgebenen Landzunge. Sie hatte die Form eines unregelmäßigen Fünfecks mit fünf Bastionen. Ein Wassergraben umgab die gesamte Anlage. Bereits im 17. Jahrhundert bestand Postverkehr zwischen der Kieler Altstadt und der Festung.
Wechselvolle Geschichte seit 1632
König Christian IV. von Dänemark ließ ab 1632 die erste Festung anlegen. Der Baumeister Axel Urop errichtete die Festung Christianspries zum Schutz gegen schwedische Angriffe während des Dreißigjährigen Krieges. Schwedische Truppen eroberten die Festung bereits 1643 und hielten sie bis 1645 besetzt. König Friedrich III. ließ die Festung 1648 schleifen.
Ab 1663 baute Henrik Ruse die Festung im Auftrag von Friedrich III. neu auf. Sie erhielt den Namen Festung Friedrichsort und einen eigenen Kirchenraum. Bis 1790 erreichte die Anlage ihre größte Ausdehnung mit umfangreichen Befestigungsanlagen im Norden und Westen.
Siemens entwickelte erste Seeminen
Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848 besetzte die Kieler Bürgerwehr die dänische Festung. Das Kommando übernahm Werner Siemens von der Preußischen Armee. Gemeinsam mit seinem Schwager, dem Chemieprofessor Himly, entwickelte er die ersten funktionsfähigen ferngezündeten Seeminen. Diese wurden quer über die Förde ausgelegt und hinderten die dänische Marine daran, Kiel zu beschießen.
Preußischer Umbau und Zerstörung
Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1867 gelangte die Festung an Preußen. Die neuen Herrscher bauten die Wallanlagen um und ersetzten die Gebäude durch erdgeschützte Kasematten. Kasematten sind gemauerte oder betonierte Gewölbe, die in die Festungsmauern oder Erdwälle eingebaut werden. Sie haben sehr dicke Wände und sind gegen Beschuss von oben geschützt und durch die gewölbte Bauweise wird die Wucht von Geschossen und Bomben abgeleitet. Diese sind heute noch teilweise erhalten. Die Verteidigungsrichtung wurde auf die Kieler Förde ausgerichtet.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Festung gemäß dem Versailler Vertrag geschleift werden. Die nördlichen Wallanlagen wurden in den Wassergraben geschüttet und Munitionslager zerstört. Ab 1935 nutzte die deutsche Marine die Festung wieder. Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten viele Gebäude.
Heutige Nutzung als Gated Community
Nach 1945 dienten die Kasematten als Flüchtlingsunterkünfte. Von 1958 bis 1974 nutzte die Stadt Kasematte 1 als Obdachlosenlager. Die Bundeswehr unterhielt ab 1957 eine Marinesignalstelle und eine Salutbatterie auf dem Gelände. 2004 gab die Bundeswehr die Festung auf.
Heute ist die Festung Kiels einzige Gated Community mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern. Sie ist zum Teil abgetragen und stark bewachsen. Ein Deich umgibt das niedrig gelegene Gebiet. Erhalten sind der Wassergraben im Süden und Osten sowie die Wallanlagen im Süden, Westen und Osten.
Das Hauptareal ist vollständig eingezäunt und wird über eine Toranlage erschlossen. Gewerbebetriebe, teilweise aus der Kreativwirtschaft, nutzen die Festung hauptsächlich. Seit August 2017 betreibt eine Bierbrauerei ihre Produktion in den Gewölben der südlichen Kasematte 2.
Die Stadt Kiel möchte die Festung langfristig vom Eigentümer Caterpillar kaufen und die historische Anlage rekonstruieren. 2017 begann die Sicherung der Substanz. Ein Betreten des Geländes ist weiterhin nur bei Führungen möglich.