Levensauer Hochbrücke: Die Stahlbögen kommen

Die historische Levensauer Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal wird erneuert. Der spektakuläre Stahldoppelbogen nimmt bereits Form an und in Prag werden die ersten Segmente geschweißt. Ab 2027 soll die neue Brücke den Verkehr wieder fließen lassen.

Stahlbleche auf einem Tisch, die erahnen lässt, wie groß die einzelnen Brückensegmente werden
Die Stahlbleche, die für die Brückenbögen benutzt werden, © WNA NOK

Was passiert gerade auf der Baustelle?

Die Arbeiten am Ersatzneubau laufen auf Hochtouren. In Tschechien schneiden und schweißen Fachleute Stahlbleche zu Segmenten zusammen, die später den 141 Meter langen Mittelbogen bilden. Diese Bauteile werden per Lkw nach Rendsburg transportiert und dort zum Brückenbogen montiert. Ein Ponton bringt das imposante Konstrukt schließlich zur Baustelle bei Kiel-Suchsdorf.

Parallel dazu entstehen in Hannover die Vorlandfelder – zwei jeweils 50 Meter lange Segmente. Sie verbinden später die Fahrbahnplatte mit den Zufahrten auf Nord- und Südseite. Am Kanal selbst bereiten die Baufirmen die Fundamente vor, die sogenannten Bogenfußpunkte aus Stahlbeton.

Der Einbau des neuen Brückenbogens wird zur logistischen Meisterleistung. Für den Ausbau der alten und das Einheben der neuen Brücke plant das Wasserstraßen-Neubauamt zweimal bis zu 48 Stunden Sperrzeit. In dieser Zeit ruht die Schifffahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal komplett. Der Mittelbogen wird voraussichtlich Mitte 2026 per Ponton zur Baustelle gebracht und präzise eingehoben.

Die vier massiven Bogenfußpunkte aus Stahlbeton bilden das Fundament des neuen Bauwerks. Sie verbinden die Enden des Brückenbogens sicher mit den Gründungen in der Erde und garantieren die nötige Stabilität für Jahrzehnte.

Wann ist die Brücke wieder befahrbar?

Ab Anfang Januar 2027 müssen sich Verkehrsteilnehmer auf Einschränkungen einstellen. Fußweg und Straße über die alte Brücke werden zur Vorbereitung des Ersatzneubaus gesperrt. Das Bahngleis folgt ab Mitte April 2027. Die neue Brücke soll im Herbst 2027 zunächst für den Bahnverkehr freigegeben werden.

Für Autos, Fahrräder und Fußgänger öffnet die Brücke einige Monate später. Projektleiter Andreas Rasmus vom Wasserstraßen-Neubauamt rechnet mit einer vollständigen Verkehrsfreigabe im Laufe des Jahres 2028.

Warum braucht der Kanal eine neue Brücke?

Die Erste Levensauer Hochbrücke stammt aus dem Jahr 1894 und ist damit das älteste Brückenbauwerk über den Nord-Ostsee-Kanal. Sie nähert sich dem Ende ihrer technischen Lebensdauer. Ein Neubau ist wirtschaftlich sinnvoller als eine aufwendige Sanierung und ermöglicht gleichzeitig eine Verbreiterung des Kanals an dieser Stelle.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße weltweit. Die bestehende Bogenbrücke schränkt die Durchfahrtsbreite für moderne, immer größere Schiffe ein. Der Ersatzneubau sichert die Zukunftsfähigkeit dieser wichtigen Wasserstraße im transeuropäischen Verkehrsnetz.

Wichtiger Verkehrsknotenpunkt

Die Brücke ist ein wichtiger Verkehrsknoten in der Region. Sie trägt die Kreisstraße 24/27 und die Bahnlinie Kiel–Eckernförde über den Kanal. Östlich daneben steht seit 1984 die Zweite Levensauer Hochbrücke, die die Bundesstraße 76 über den Kanal führt. Beide Bauwerke sind unverzichtbar für die regionale Wirtschaftsstruktur in Schleswig-Holstein.

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Quelle:  Wasserstraßen-Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal