Kieler Kulturpreis 2026: Oswald Egger und Marie Gerbaulet ausgezeichnet

Die Kieler Woche 2026 endete mit einem kulturellen Höhepunkt: Professor Oswald Egger erhält den Kulturpreis, Maria Gerbaulet den Förderpreis. Beide Künstler prägen die Kieler Kunstszene. Mit experimenteller Sprache und poetischen Installationen. Die Muthesius Kunsthochschule feiert einen besonderen Erfolg.

Ein Mann in einem dunklen Anzug zwischen zwei anderen Menschen, die gerade einen Blumenstrauß überreichen
Oswald Egger bei der Übergabe des Preises durch Bettina Aust, ©Kiel-Magazin.de

Oswald Egger – Meister der Sprache

Der 1963 in Südtirol geborene Lyriker gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Dichter im deutschsprachigen Raum. Seine Werke überschreiten die Grenzen klassischer Literatur und begreifen Sprache als Bewegung, Klang und Textur. Seit 2024 trägt er den renommierten Georg-Büchner-Preis. An der Muthesius Kunsthochschule lehrt Egger seit 2011 und inspiriert den künstlerischen Nachwuchs zu einem freien Umgang mit Sprache.

Als Dozent für Sprache und Gestalt wirkt Egger als Vermittler und Anstifter kreativer Prozesse. Er ermutigt Studierende zur Entwicklung einer eigenen Gestalterpersönlichkeit. Seine Lehre verbindet Schreiben mit visueller Kunst – einige seiner Bücher enthalten eigene Zeichnungen und Aquarelle. Diese interdisziplinäre Herangehensweise macht ihn zu einem wichtigen Impulsgeber für die Kieler Kulturlandschaft.

Maria Gerbaulet – Ausgezeichnete Nachwuchskünstlerin

Die 1994 geborene Künstlerin ist die erste Absolventin der Muthesius Kunsthochschule, die den Bundespreis für Kunststudierende erhielt. Ihre Arbeiten wurden 2025 in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt. Parallel gewann sie den Gottfried-Brockmann-Preis der Landeshauptstadt Kiel. Auch der Gustav-Weidanz-Preis für Plastik zählt zu ihren Auszeichnungen. Mit 32 Jahren hat sie sich bereits überregional etabliert.

Gerbaulets Installationen erforschen Zerbrechlichkeit und Stabilität in ihrer Korrelation. Sie setzt fragile Elemente in Beziehung zu festen Strukturen und schafft damit Reflexionsräume über menschliche Erfahrungen. Ihre minimalistische Geste verzichtet auf autobiografische Narrative und emotionale Inszenierung. Die Objekte selbst fordern Aufmerksamkeit, durch ihre Positionierung zueinander entstehen vielschichtige Bedeutungsebenen.

Festliche Preisverleihung am Abschlusssonntag

Am 28. Juni überreichten Stadtpräsidentin Bettina Aust und Oberbürgermeister Dr. Samet Yilmaz die Auszeichnungen in einer Festsitzung der Ratsversammlung. Der Kulturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 4.000 Euro. Staatssekretär Guido Wendt betonte die demokratische Kraft von Kunst. Die Laudatoren Professor Dr. Arne Zerbst und Kurator Sven Christian Schuch würdigten beide Preisträger für ihre experimentelle Herangehensweise.

Beide Preisträger sind eng mit der Kunsthochschule verbunden. Egger als Dozent, Gerbaulet als Absolventin. Auch die Laudatoren stammen von der Muthesius. Stadtpräsidentin Aust würdigte diese Verbindung: „An der Förde könnt ihr kreativ sein oder andere darin unterrichten, kreativ zu sein." Die Hochschule erweist sich als kreativer Nährboden für innovative Kunstformen, die weit über Kiel hinauswirken.

74 Jahre Kulturförderung in Kiel

Seit 1952 zeichnet Kiel herausragende kulturelle Leistungen aus, erster Preisträger war der Künstler Emil Nolde. Der Preis wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Wissenschaftspreis vergeben. Zu den bisherigen Trägern zählen Literaten wie Wolfdietrich Schnurre, Feridun Zaimoglu und Arne Rautenberg. Egger folgt auf die Kammerschauspielerin Ellen Dorn, die 2024 ausgezeichnet wurde. Der Förderpreis wird seit 2014 vergeben.

Für Egger ist es eine Würdigung seiner jahrzehntelangen Arbeit an den Grenzen der Literatur. Professor Zerbst nannte ihn einen „Retter der Sprache", der Worten neue Würde verleiht. Gerbaulet wird als junge Künstlerin mit großem Zukunftspotenzial geehrt. Kurator Schuch hob hervor, dass ihre Objekte einen Diskursraum bilden, dem man sich schrittweise nähern kann. Beide erweitern die Grenzen ihrer Kunstformen.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel