Making the Invisible Visible: Miesmuscheln und eine Menge Sand

Wie wird Wissenschaft erlebbar? Die Ausstellung "Making the Invisible Visible" im Sp:ce der Muthesius Kunsthochschule zeigt zwei Master-Thesisprojekte, die komplexe Forschung in interaktive Installationen verwandeln. Hier verschmelzen Präzision und Ästhetik zu berührenden Bilderwelten, die euch zum Staunen bringen.

Ein Mann vor einer Wand, die von einem Projektor angestrahlt wird
Der Künstler Daniel Hennschen bei der Präsentation seines Projekts, © kiel-magazin.de
Wann? 14. März bis 11. April 2026, Mi-Sa 15.00 bis 18.00 Uhr
Wo? spce Muthesius
Eintritt: frei

Was bedeutet Beautiful Visualization?

Im Masterstudiengang "Interaktives Informationsdesign" wird visuelle Wissenschaftskommunikation selbst zur Forschung. Die Studierenden übersetzen abstrakte Daten in sinnliche Erlebnisse, die nicht nur zu verstehen, sondern körperlich erfahrbar sind. Dabei bleibt die faktische Präzision oberste Maxime, denn nur so können Reduktion und künstlerische Interpretation verantwortungsvoll gelingen. Wenn wissenschaftliche Genauigkeit auf hohen ästhetischen Anspruch trifft, entsteht exzellente Visualisierung.

Drei Muscheln und ihr Herzschlag

Thiemo Frömbergs Installation "Vertraute Fremde" macht den Herzschlag von Miesmuscheln hör- und spürbar. Über eine interaktive Sechs-Kanal-Projektion mit Biofeedback-Sensorik und Hand-Tracking erlebt ihr die Lebensaktivität dieser unterschätzten Organismen hautnah. Die berührbare Schnittstelle zeigt euch direkte Konsequenzen eures Handelns und informiert über die ökologische Rolle der Tiere. In Kooperation mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum Kiel entstanden, lädt das Projekt zur achtsamen Begegnung ein.

Frömberg möchte Empathie mit den Muscheln als Wesen erzeugen, denn oft beachten wir nur die Schale und erkennen die Tiere nicht als Individuum. Die Installation verwandelt ein Tier, das meist als Nahrung oder "Ding" wahrgenommen wird, in ein lebendiges Gegenüber. Der fragile Herzschlag erzählt von Verletzlichkeit, Anpassung und der geteilten Abhängigkeit von Wasser, Sauerstoff und Zeit. Das Projekt hat am Ende sogar die Perspektive des Künstlers selbst auf den Organismus Muschel verändert.

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Eine interaktive mediale Wand symbolisiert die drei Hauptstressoren Lärm, künstliches Licht und Temperatur. Durch Animationen wird der Einfluss auf die Muscheln als Individuum deutlich sichtbar und erfahrbar. Ihr seht in Echtzeit, wie diese Faktoren das Leben der Tiere beeinflussen und so entsteht ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse dieser Lebensform.

Welche Rolle spielen Muscheln im Ökosystem?

Eine Muschel filtert pro Stunde 1 Liter Wasser, das macht sie extrem bedeutend für das Ökosystem auch hier direkt in der Kieler Förde. Oft befinden sich bis zu 600 Muscheln auf einem Quadratmeter Fläche, was ihre kollektive Reinigungsleistung enorm verstärkt. Diese beeindruckende Filterkapazität wird in der Installation erlebbar gemacht. Vor der Ausstellung gab es eine Abnahme durch das Veterinäramt, um sicherzustellen, dass es den Muscheln gut geht.

Muscheln und Sand: Eine austellerische Symbiose

Daniel Hennschens Projekt "Sandbox Stories" macht die globalen Dimensionen des Sandabbaus begehbar. In vier mit Sand ausgelegten Korridoren durchschreitet ihr unterschiedliche Erzählstränge, von einführenden Zusammenhängen bis zu nachhaltigen Alternativen. Mit jedem Schritt durch den Sand vertiefen sich die Inhalte auf einer Wandprojektion. Das Echtzeit-Tracking eurer Bewegungen steuert die multimediale Rauminstallation und verbindet Körper, Raum und Information zu einer unmittelbaren Erfahrung.

Sand ist die weltweit zweitmeistgenutzte Ressource nach Wasser. Etwa eine Tonne Sand wurde für die Ausstellung in einer Sandkiste zur Verwendung geschüttet und wird im Anschluss weiterverwendet. Ihr betretet, spürt und durchschreitet eine Ressource, auf der unser modernes Leben buchstäblich gebaut ist, wird Sand doch als wichtiger Bestandteil in Zement und Beton verwendet. Die Installation macht die Bedeutung eines unterschätzten Rohstoffs körperlich erfahrbar.

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Wie gefährlich ist der Raubbau?

Sand ist stark von Raubbau betroffen und die Aufdeckung dieser Machenschaften wird international hart geahndet. Journalisten werden eingeschüchtert oder getötet, wenn sie über illegale Abbaumethoden berichten. Die Installation macht diese bedrohliche Dimension sichtbar und führt euch zur Lösungsebene mit nachhaltigen Perspektiven. So verbindet das Projekt Bewegung und Informationsdesign zu einer eindrücklichen Auseinandersetzung. Ihr erlebt die Konsequenzen unseres Ressourcenhungers unmittelbar. Daniel hat auch einen Tipp für alle, die sich noch mehr mit dem Thema Sand und dem damit verbundenen Raubbau interessieren: Diese Folge ZDF Magazin Royale zu genau diesem Thema.

Beide Arbeiten zeigen exemplarisch, wofür der Studiengang steht: das Unsichtbare sichtbar und erfahrbar zu machen. Komplexe Forschungsprozesse werden in mediale Exponate übersetzt, in denen sich Wahrnehmen und Verstehen verbinden. Die Visualisierungen informieren nicht nur – sie eröffnen als gestalterische Setzungen eigene Bilderwelten. Im Erleben resonieren sie weiter und bleiben im Gedächtnis. So entstehen Momente, die berühren und überraschen.

Habt ihr Lust auf weitere kulturelle Entdeckungen? Wir von kiel-magazin.de halten noch viele spannende Ausstellungstipps für euch bereit.

Quelle:  Muthesius Kunsthochschule