Ausstellung zu Harald Duwe

Die Stadtgalerie Kiel ehrt den norddeutschen Maler Harald Duwe zu seinem 100. Geburtstag. Vom 7. März bis 24. Mai 2026 zeigt die Ausstellung "Human Behaviour.Harald Duwe from a comparative point of view" sein gesellschaftskritisches Werk im Dialog mit zehn weiteren Künstlerinnen und Künstlern als einen Spiegel deutscher Zeitgeschichte.

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Banner zur Ausstellung, ©Kiel-Magazin.de

Kritischer Spiegel für die Gesellschaft

Harald Duwe hielt der Bundesrepublik knapp 40 Jahre lang einen kritischen Zerrspiegel vor. Von 1945 bis zu seinem Unfalltod 1984 thematisierte er mit figurativer Malerei gesellschaftliche Missstände. Seine gegenständliche Ausdrucksweise ermöglichte es ihm, Widersprüche anschaulich und unmissverständlich zu formulieren. Als realistischer Maler nahm er dabei in der BRD eine Außenseiterrolle ein und wurde nur zögerlich überregional wahrgenommen.

Während in der Kunstszene der Nachkriegszeit abstrakte Kunst dominierte, blieb Duwe seiner figurativen Malweise treu. Diese Entscheidung machte ihn zum Einzelgänger, verschaffte ihm aber gleichzeitig die Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem Betrachter. Seine Bilder brauchen keine kunsttheoretische Deutung, sie sprechen für sich. Die Klarheit seiner Bildsprache macht komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge für alle zugänglich und einfach nachvollziehbar.

Wogegen richtete sich seine Kritik?

Duwes Werk prangert das Verdrängen der Nazi-Verbrechen, Militarismus und Kapitalismus an. Auch enthemmter Konsum und Umweltzerstörung standen im Fokus seiner Arbeiten und seine Gesellschaftskritik bleibt bis heute aktuell und nachvollziehbar. In einer Zeit, in der die bundesdeutsche Gesellschaft versuchte, die Gräuel des Zweiten Weltkriegs zu verdrängen, hielt Duwe die Erinnerung wach, denn seine Arbeiten konfrontierten das Publikum mit unbequemen Wahrheiten. Er zeigte die Kontinuitäten zwischen Nazi-Deutschland und der Bundesrepublik auf und dabei scheute er sich nicht, auch das aufstrebende Wirtschaftswunder und den damit verbundenen Konsumrausch kritisch zu hinterfragen.

Welche Verbindung hatte Duwe zu Kiel?

Seit 1951 lebte Harald Duwe in Großensee bei Hamburg, im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein. Von 1975 bis zu seinem Tod lehrte er Freie Kunst und Malerei an der damaligen Kieler Fachhochschule für Gestaltung, der heutigen Muthesius Kunsthochschule. 1981 erhielt er den Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel und in den 1970er und 1980er Jahren machte er Schleswig-Holstein und Kiel explizit zum Bildgegenstand.

Die Verbindung zu Kiel war für Duwe mehr als nur biografisch. Als Dozent prägte er eine ganze Generation junger Künstler und gab seine kritische Haltung weiter. Seine Malklasse wurde zum Ort des Austauschs und der künstlerischen Auseinandersetzung und sorgte dafür, dass viele seiner Schülerinnen und Schüler seinen gesellschaftskritischen Ansatz in eigenen Werken fortführten.

In seinen späten Arbeiten wird die norddeutsche Landschaft zum Schauplatz seiner Beobachtungen. Kieler Stadtansichten, die Förde und das schleswig-holsteinische Umland erscheinen in seinen Bildern. Dabei zeigt er nicht die idyllische Postkarten-Perspektive, sondern den Alltag mit all seinen Widersprüchen und die Region wird somit zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Entwicklungen.

Warum diese Ausstellung jetzt?

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2026 wäre Duwe 100 Jahre alt geworden, Grund genug, sein Werk wieder ins Bewusstsein zu rufen. Die letzte große Kieler Ausstellung zu Duwes Arbeit liegt fast 40 Jahre zurück und fand 1987 in der Kunsthalle statt. Die Stadtgalerie möchte eine herausragende Position der schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte präsentieren.

Die lange Pause zwischen den Ausstellungen zeigt, wie sehr Duwes Werk in Vergessenheit geraten ist. Dabei hat seine Gesellschaftskritik nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: Viele der von ihm angesprochenen Themen sind heute drängender denn je. Die Ausstellung will diese Relevanz sichtbar machen und neue Generationen mit seinem Schaffen bekannt machen.

Was erwartet euch in der Ausstellung?

Die Schau vereint unterschiedliche Werkphasen, Themen und Strategien Duwes. Im Vergleich dazu seht ihr Arbeiten von Ilse Ament, Joerne Diedrichsen, Heinrich Ehmsen, Richard Grune, Peter Nagel, Erasmus Schröter und Joachim Thode aus der Sammlung der Stadtgalerie. Drei junge Positionen aus den vergangenen Jahren, von Oska Gutheil, Sven Johne und SUSI POP, verbinden Duwes Perspektive mit aktuellen Diskursen. Präsentiert werden Malerei, Grafik, Videoperformance und Fotografie.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Sie zeigt, wie unterschiedlich Künstler auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Technik, Stil und Herangehensweise deutlich. Die Gegenüberstellung schärft den Blick für die Besonderheiten jeder Position.

Die Stadtgalerie zeigt Werke aus der Kunsthalle zu Kiel, dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum sowie dem Thor-Heyerdahl-Gymnasium. Aus dem Privatbesitz der Erben Harald Duwes kommen weitere bedeutende Arbeiten und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein fördert das Projekt. Ein zweisprachiger Katalog in Deutsch und Englisch erscheint begleitend zur Ausstellung.

Wer war Duwe eigentlich?

Ein Bild Duwes aus der aktuellen Ausstellung
Ein Bild Duwes aus der aktuellen Ausstellung, ©Kiel-Magazin.de

1926 in Hamburg geboren, absolvierte Duwe eine Lithografen-Lehre in Hamburg und Leipzig. Von 1945 bis 1950 studierte er an der Landeskunstschule Hamburg, der heutigen HfBK, 1954 erhielt er ein Stipendium des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie und von 1964 bis 1977 lehrte er räumliches Darstellen an der Hamburger Ingenieurschule für Fahrzeugtechnik.

Die handwerkliche Ausbildung als Lithograf prägte Duwes grafisches Können. Diese technische Grundlage ermöglichte ihm präzise Darstellungen und sichere Linienführung. Sein Studium an der Landeskunstschule fiel in die unmittelbare Nachkriegszeit und diese Jahre des Neuanfangs und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit formten seine künstlerische Haltung.

Wie entwickelte sich sein Spätwerk?

Die Berufung zum Dozenten an der Kieler Fachschule für Gestaltung 1975 gab Duwes Leben eine neue Richtung. Seine Malklasse wurde zum Zentrum seines pädagogischen Wirkens und bis zu seinem Tod 1984 prägte er junge Künstler und gab seine Erfahrungen weiter. Der Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel 1981 würdigte sein Gesamtwerk und sein Engagement für die regionale Kunstszene.

In seinen letzten Lebensjahren intensivierte Duwe seine Auseinandersetzung mit ökologischen Themen, da die zunehmende Umweltzerstörung ihn tief beunruhigte. Seine Bilder wurden düsterer und drängender in ihrer Warnbotschaft und gleichzeitig verfeinerte er seine malerische Technik und fand zu einer eigenständigen Bildsprache.

Der tragische Autounfall 1984 beendete sein Schaffen abrupt, wodurch viele Projekte unvollendet, viele Ideen unverwirklicht blieben. Sein künstlerisches Vermächtnis aber bleibt lebendig, gerade durch Ausstellungen wie diese, die sein kritisches Engagement für kommende Generationen bewahren und weitertragen.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel