Kinderförderung in Kiel
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In Kiel erhalten alle Kinder die Chance auf gleichberechtigte Teilhabe – unabhängig von ihren Voraussetzungen. Eine neue mehrsprachige Elternbroschüre zeigt den Weg zu Unterstützungsangeboten in Kita und Grundschule.
Warum braucht es überhaupt Verfahrenslotsen?
Die Gesetzeslage des Bundes ist für viele Eltern eine große Herausforderung. Bürgermeisterin Renate Treutel bringt es auf den Punkt: "Der Staat sollte die Gesetze vereinfachen, damit Verfahrenslotsen nicht notwendig wären." Die Systematik der unterschiedlichen Sozialgesetzbücher und Leistungsbereiche ist schwer verständlich. Selbst der Gesetzgeber erkennt dies an, indem er in Kommunen sogenannte Verfahrenslotsen finanziert. Kiel setzt zusätzlich auf zwei besondere Verfahrenslotsinnen, die auch gleichzeitig als Sprach- und Kulturmittlerinnen fungieren.
Die Zahlen der Kinder, die auf Hilfestellungen angewiesen sind, steigen seit Jahren an. Bei den Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 23/24 zeigten in Kiel 28,7% der Kinder hohen Förderbedarf und 27,4% mäßigen Förderbedarf. Praktikerinnen thematisieren diese Entwicklung schon lange. Besonders häufig betroffen ist der Bereich Sprache mit 90,9% aller einzuschulender Kinder, egal welcher Herkunft, gefolgt von emotionaler und sozialer Entwicklung (42,3%) sowie körperlicher und motorischer Entwicklung (29,6%). Auch im Kitabereich steigt die Anzahl der Einrichtungen, die ihre Gruppengröße anpassen, um eine optimale Umgebung und Betreunng gewährleisten zu können.
Welche Unterstützung gibt es für Kinder mit besonderem Förderbedarf?
Die Landeshauptstadt Kiel bietet euch vielfältige Hilfsangebote, damit eure Kinder optimal gefördert werden. Dazu gehören heilpädagogische Förderung in der Kita, Schulbegleitung, schulische Assistenz und Klassenbegleitungen. Bürgermeisterin Renate Treutel betont: "Unser Ziel ist, dass alle Kinder die gleichen Teilhabe- und Bildungschancen haben." Zwischen 20 und 25 Prozent aller Kinder brauchen Sprachförderung. Inklusion steht als oberstes Ziel der Bildungspolitik.
Die leicht verständliche Broschüre wurde entwickelt, damit ihr so schnell und einfach wie möglich Hilfe findet. Sie beantwortet alle wichtigen Fragen: Was könnt ihr tun, wenn euer Kind mehr Unterstützung benötigt? Welche Angebote gibt es in Kiel? Wie und wo beantragt ihr diese Hilfen? Die Broschüre ist in sechs Sprachen verfügbar – Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Russisch und Ukrainisch. Ihr findet sie digital sowie in Kitas, Grundschulen und Beratungsstellen.
Warum ist frühe Förderung so wichtig?
Frühzeitige Unterstützung entscheidet maßgeblich über die Entwicklungschancen eures Kindes. Franziska Berger, Leiterin des Jugendamtes, erklärt: "Die richtige Hilfe zur richtigen Zeit erhöht angemessene Teilhabemöglichkeiten für das gesamte spätere Leben." Wenn Kinder nicht rechtzeitig gefördert werden, wird es später deutlich aufwändiger, Entwicklungsrückstände aufzuholen. Je größer die Zeitspanne ohne erforderliche Unterstützung, desto geringer die Chance auf vollständigen Ausgleich. Kitaplätze werden nach gesetzlichen Regelungen angepasst, wenn es notwendig ist.
Das Kompetenzteam unterstützt euch mit verschiedenen Fachkräften direkt vor Ort. Verfahrenslotsinnen begleiten euch durch den Antragsprozess und bieten praktische Beratung. Die zwei Kulturmittlerinnen für die Stadt Kiel navigieren euch durch Unterstützungsmöglichkeiten und begleiten Elterngespräche. Sie helfen auch bei der Eingewöhnung eures Kindes in der Kita. Dolmetscherinnen können jederzeit zur Hilfe gezogen werden, beispielsweise für Übersetzungen von Dokumenten in Schulen. Kiel hat die Luxussituation, genügend Personal in den Einrichtungen zu haben – auf dem Land sieht es anders aus.
Wie erleben Familien die Unterstützung konkret?
Eine Mutter aus Dnipro in der Ukraine erlebt die Hilfe hautnah. Ihr Kind hat Sprach- und Konzentrationsschwierigkeiten in beiden Sprachen, weshalb sie einen Termin beantragte und Kontakt zu den Kulturmittlerinnen bekam. Der Kontakt zu ihrem Mann, der an der Front kämpft, ist schwierig und läuft meist über dessen Eltern. Sie sagt: "Ich bin dankbar, dass ich hier in Sicherheit sein kann und die Sprache lernen kann." Auf die Frage, wie schwer sie es empfindet, Deutsch zu lernen, antwortet sie schlicht "Ja" und muss dabei lächeln. Das andere Alphabet sei nicht die Schwierigkeit, sondern die Grammatik.
An Kieler Schulen ist inklusive Beschulung ein leitendes Prinzip. Das Schulamt unterstützt die Schulen bei der konsequenten Umsetzung im Alltag. Schulrat Michael Harder betont: "Inklusion ist kein Zusatzauftrag, sondern ein grundlegendes Prinzip moderner Schule." Sie gelingt besonders gut, wo Haltung, fachliche Kompetenz und verlässliche Rahmenbedingungen zusammenkommen. Kieler Schulen zeigen eindrucksvoll, dass gemeinsames Lernen von Vielfalt profitiert.
Wie sieht gelungene Inklusion konkret aus?
Die Gorch-Fock-Schule ist ein beispielhaftes Modell für inklusiven Unterricht. In enger Kooperation mit der Lilli-Nielsen-Schule werden dort Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gemeinsam mit ihren Mitschülern unterrichtet. Der Unterricht erfolgt durch Team-Teaching und individuell angepasste Lernangebote. Ziel ist die größtmögliche Teilhabe am schulischen Leben sowie das Lernen in gemeinsamer Verantwortung.
Das Schulamt begleitet die Entwicklung durch personelle Ressourcen und gezielte Fortbildungsangebote. Die Förderung multiprofessioneller Zusammenarbeit steht dabei im Mittelpunkt. Inklusion wird als kontinuierlicher Prozess der Qualitätsentwicklung verstanden, der sich am landesweiten Rahmenkonzept "Schule 2035" orientiert. Die individuellen Bedürfnisse eurer Kinder stehen dabei immer im Fokus.
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