Kiel setzt "Lockdown light" um

Der Anstieg der Neuinfektionen an COVID-19 in der Landeshauptstadt Kiel ist im Vergleich zu anderen Kommunen in Schleswig-Holstein nach wie vor relativ gering. Dennoch gelten auch in Kiel ab Montag, 2. November 2020, jene Maßnahmen, die Bund und Länder gemeinsam im Kampf gegen die bundesweit zunehmenden Infektionen beschlossen haben.

Coronavirus Absperrband, © iStock.com/bet noire
Coronavirus Absperrband, © iStock.com/bet noire

Am Mittwoch, 28. Oktober 2020, verzeichnete das Amt für Gesundheit 88 an COVID-19 infizierte Personen. Acht Patienten davon sind hospitalisiert.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 29,6 Fällen je 100.000 Einwohnerern. Sie ist damit leicht gestiegen, liegt aber unter der kritischen Schwelle von 50 beziehungsweise 35 Fällen je 100.000 Einwohnerern. In Quarantäne oder Isolierung sind zurzeit 462 Personen. 

Seit dem 10. März 2020 wurden in Kiel damit 619 Erkrankungen gemeldet. Darunter waren 323 Frauen und 296 Männer. Der Altersdurchschnitt liegt bei 42 Jahren (Mittelwert). Zwölf Kieler werden als Verstorbene mit einer COVID-19-Erkankung gezählt.

"Auch wenn in Kiel die Infektionszahlen im Vergleich zu vielen anderen bundesdeutschen Kommunen weniger dramatisch sind, wird das Virus auf Dauer keinen Bogen um uns machen", so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. "Maßnahmen, die bundesweit ab Montag gelten, werden auch in Kiel umgesetzt. Die neuen Einschränkungen treffen uns auch in Kiel hart. Viele Gastronom*innen, Kulturschaffende und Hoteliers fragen sich, ob sie die Krise wirtschaftlich überleben können. Auch die Beschränkungen des Alltags sind gravierend. Da müssen wir jetzt gemeinsam durch – mit der Solidarität, die wir schon im Frühjahr gezeigt haben." 

Die Weihnachtsmärkte werden abgesagt. Anders als im Frühjahr werden Rathaus, Bürgerämter, Schulen und Kindergärten nicht geschlossen. Feuerwehr, Polizei und Kliniken sind auf eine zweite Welle auch in Kiel gut vorbereitet.

Die KVG fährt auch im November die volle Leistung gemäß Fahrplan mit allen Linien. Es gibt keine Einschränkungen. Bei Bedarf setzt die KVG für den Fall, dass es zu eng im Fahrgastraum wird, nach ihren Möglichkeiten Einsatzwagen ein. Die Haltegriffe in den Bussen werden bereits seit längerem jede Nacht desinfiziert. Mit einem Heizdampfgerät kann die KVG zusätzlich die Sitzflächen in den Bussen desinfizieren. Fahrzeuge können des Weiteren mit Ozongeneratoren behandelt werden. Auch bei der Schlepp- und Fährgesellschaft gibt es keine Einschränkungen. Der Winterfahrplan wird eingehalten.

Kindergärten und Schulen bleiben mit den entsprechenden Hygienekonzepten geöffnet. Geschäfte werden anders als im Frühjahr nicht geschlossen.

Die Senioreneinrichtungen und Pflegeheime bleiben für Besucher weiter zugänglich. "Gemeinsam mit den Einrichtungen ist es uns gelungen, ein zwar aufwendiges aber sehr gutes Hygienekonzept zu entwickeln, mit dem wir eine vollständige soziale Isolation der Bewohner*innen verhindern", sagt Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken. "Mir ist es ein großes Anliegen, dass das so bleibt: Wir haben in den letzten Monaten vielfältig die Erfahrung machen müssen, wie wichtig soziale Kontakte zu Angehörigen und Freunde auch untereinander, sind. Zusätzliche ehrenamtliche Kräfte aus dem Ehrenamtsbüro NetteKieler werden hier helfen, diese Kontakte aufrechtzuerhalten."

Die Maßnahmen von Bund und Land bedeuten für Kiel:

Das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung wird derzeit in Kiel für folgende Bereiche geprüft: Holstenstraße, Dänische Straße, am Hauptbahnhof und in der Holtenauer Straße sowie in der Elisabethstraße/Vinetaplatz in Gaarden. Bindend für die Umsetzung ist die Corona-Verordnung des Landes.

Gastronomie: Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden geschlossen. Erlaubt ist weiter die Lieferung und Abholung von Essen für den Verzehr zu Hause. Auch Kantinen dürfen öffnen.

Freizeit: Freizeiteinrichtungen werden geschlossen. Dazu gehören Theater, Oper, Kinos und Spielhallen. Auch die Weihnachtsmärkte in Kiel werden abgesagt.

Sport: Fitnessstudios und Schwimmbäder werden geschlossen. Der Amateursportbetrieb wird eingestellt, Vereine dürfen also nicht mehr trainieren. Individualsport, also etwa alleine joggen, ist weiter erlaubt. Profisport ist nur als sogenannte Geisterspiele, also ohne Zuschauer*innen zugelassen.

Dienstleistungen: Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios werden geschlossen, weil dort der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Medizinisch notwendige Behandlungen etwa bei Physiotherapeuten sind weiter möglich. Auch Friseure bleiben geöffnet.

Tourismus: Touristische Übernachtungen im Inland sind im November verboten. Übernachtungen in Hotels und Pensionen dürfen nur noch für notwendige Zwecke wie zwingende Dienstreisen gebucht werden.

Kontakte: Es dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen – maximal zehn Personen.

Ab Montag werden Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst die Einhaltung der Maßnahmen streng kontrollieren.

"Kiel hilft Kiel" wird die von Schließung betroffene Gastronomie unterstützen und hier auch intensiveren. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer will dafür von der Ratsversammlung einen Sondertopf in Höhe von zunächst einer Million Euro beantragen, um so Kieler Gastronomen und Gewerbetreibenden in dieser schweren Phase zu helfen.

Informationen zum Thema Corona in Kiel veröffentlicht die Stadt auf www.kiel.de/coronavirus und auf ihren Social-Media-Kanälen.

Quelle: Landeshauptstadt Kiel

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