Das MFG-5-Gelände geht größtenteils zurück an die Marine

Die Bundeswehr kehrt zurück nach Holtenau Ost auf das MFG-5-Gelände. Doch Kiel bleibt nicht mit leeren Händen. Stadt, Bund und Land haben sich auf einen umfassenden Ausgleich geeinigt, der mehr Wohnungen ermöglicht als ursprünglich geplant. Eine Entscheidung, die die Stadt noch einige Zeit beschäftigen und für Diskussionen sorgen wird, bis sich die Ratsversammlung im Juni endgültig mit dem Thema beschäftigen wird.

Zwei Menschen vor einem Tisch, auf dem Unterlagen liegen, die unterschrieben werden sollen
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und der Inspekteur der Marine, Jan Christian Baack bei der Unterzeichnung des LOI in der Halle 400, © Kiel-Magazin.de

Was wurde zwischen Stadt und Bund vereinbart?

Nach monatelangem Dialog haben Kiel und die Bundeswehr einen Letter of Intent unterzeichnet, der rechtlich allerdings nicht bindend ist. Das ehemalige Marinefliegergeschwader-5-Areal wird teilweise wieder militärisch genutzt. Der Grund: Veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen erfordern den Ausbau der Marine. Im Gegenzug stellt der Bund der Stadt Ersatzflächen für Wohnungsbau und Gewerbe zur Verfügung. Die Vereinbarung sichert zudem eine dauerhafte Durchwegung zwischen Holtenau und Friedrichsort für ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr.

Das südliche Drittel von Holtenau Ost bleibt in städtischem Besitz und dort können rund 700 Wohnungen gebaut werden. Zusammen mit den vom Bund bereitgestellten Alternativflächen ergeben sich Perspektiven für insgesamt 2.275 Wohnungen. Das sind sogar mehr als ursprünglich in Holtenau Ost vorgesehen waren. Die Ersatzflächen liegen im Kieler Stadtgebiet und sollen den angespannten Wohnungsmarkt entlasten.

Für entfallende Gewerbeflächen hat die Stadt Ersatzstandorte gefunden, unter anderem im Kieler Süden. Das interkommunale Gewerbegebiet mit Heikendorf kann dank einer Vereinbarung mit dem Land ebenfalls realisiert werden. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt zudem die weitere Förderung des Gewerbegebiets StrandOrt. Die regionalplanerischen Rahmenbedingungen sollen bei Vorliegen entsprechender Grundlagen zügig angepasst werden. So bleibt die wirtschaftliche Entwicklung Kiels gesichert.

Was genau die Zukunft des ortsansäßigen Skateparks und des Waterkants-Festivals aussieht, die Vort Ort auf dem Gelände stattfindet, steht noch nicht fest bzw. ist noch nicht abschließend geklärt. Aber allem Anschein nach, müssen sich die Veranstaltenden nach neuen Flächen umsehen. Und auch das Theater Kiel wird sein Sommertheater, das dieses Jahr eine Adaption von Goethes "Faust" sein wird, wahrscheinlich zum letzten mal vor Ort aufführen können.

Warum braucht die Bundeswehr diese Flächen?

Die veränderte Bedrohungslage erfordert den Ausbau der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Die Marine benötigt zusätzliche Flächen für Infrastruktur, Logistik und Stationierung am Standort Kiel. Vizeadmiral Jan Christian Kaack erklärt: "Der Ausbau der Marine dient der Sicherheit unseres Landes und unserer Partner." Der Standort Kiel Holtenau ist dabei ein zentraler Baustein für die Stärkung der Landes- und Bündnisverteidigung. Die Investitionen zielen darauf ab, Frieden durch Abschreckung zu sichern.

Die Marine erhält in Holtenau Ost und im Bereich der Wik die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten deutlich auszubauen. Neue Anforderungen an Infrastruktur und Logistik können so erfüllt werden. Der Standort Kiel bleibt damit ein wichtiger Stützpunkt für die deutsche Marine. Die enge Verbindung zwischen Stadt und Marine wird durch die Vereinbarung gestärkt. Beide Seiten profitieren von der pragmatischen Lösung.

Wie geht es mit der Städtebauförderung weiter?

Das Land Schleswig-Holstein hat zugesagt, die Städtebauförderung für Holtenau Ost auf der verbleibenden Fläche fortzuführen. Beim Bund soll eine Verlängerung der Förderlaufzeit erreicht werden. Innenstaatssekretär Dr. Frederik Hogrefe betont: "Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist eine der entscheidenden Fragen unserer Zeit." Das Innenministerium wird den gesamten Prozess konstruktiv begleiten. Stadt und Land bekräftigen ihr gemeinsames Ziel, die Wohnraumversorgung in Kiel nachhaltig zu stärken.

Für betroffene Nutzer streben Stadt und Bundeswehr einvernehmliche Lösungen an. Angemessene Übergangsfristen sollen gewährt werden. Die Belange Dritter sowie Umwelt- und Denkmalschutzaspekte werden im weiteren Verfahren berücksichtigt. Eine zentrale Ansprechstelle beim Kompetenzzentrum Baumanagement Kiel der Bundeswehr wurde eingerichtet. Dort können sich Betroffene unter BAIUDBwKompZBauMgmtKI@bundeswehr.org melden, und ja es ist kein Witz, die Mailadresse dazu lautet wirklich so.

Welche Schritte folgen jetzt?

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In Arbeitsgruppen werden nun Flächenzuschnitte, Zeitplanung und Kompensationen detailliert abgestimmt. Die genaue Abgrenzung der betroffenen Flächen sowie Fragen der Wertermittlung und des Grunderwerbs stehen an. Parallel dazu wird die planungsrechtliche Sicherung der Vorhaben vorangetrieben. Themen wie Verkehrsanbindungen, Immissionsschutz und Hochwasserschutz werden frühzeitig einbezogen. Die Beschlussfassung in der Kieler Ratsversammlung ist für Juni 2026 vorgesehen.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hebt hervor: "Wir konnten in den Verhandlungen zentrale Interessen der Stadt sichern." Die Vereinbarung basiert auf transparenter und partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Stadt und Bund setzen bewusst auf pragmatische Lösungen und verzichten auf Maßnahmen wie Enteignungen. Der Letter of Intent dokumentiert ein gemeinsames Verständnis, unterschiedliche Interessen in Einklang zu bringen. Für die materielle Kompensation muss in den kommenden Monaten noch eine Einigung erzielt werden.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel