Warum Miesmuscheln toll sind
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Knapp über einen Monat zeigte der Kieler Künstler Thiemo Frömberg seine Installation zum Thema Miesmuscheln. Dabei kamen mehrere hunderte Menschen, die sich direkt mit diesen Tieren beschäftigen konnten und oftmals das erste mal mit dem Organismus der Muschel abseits eines Tellers oder Restaurants in Kontakt kamen. Klar wurde: Miesmuscheln sind weit mehr als nur eine Delikatesse auf eurem Teller. Diese faszinierenden Meeresbewohner reinigen das Wasser, schützen unsere Küsten und könnten sogar die Materialforschung revolutionieren. Über 100 Arten bevölkern die Weltmeere – doch der Klimawandel bedroht ihre Zukunft zunehmend.
Was ist das Besondere an Miesmuscheln?
Miesmuscheln verfügen über einen raffinierten Bauplan, der sie zu wahren Überlebenskünstlern macht. Ihre Kiemen erfüllen eine Doppelfunktion: Sie dienen gleichzeitig zum Atmen und zur Nahrungsaufnahme. Besonders zu betonen ist ihre Fähigkeit, die Schale ohne Energieverbrauch offen zu halten. Mit einer Lebenserwartung von vermutlich 10 bis 15 Jahren gehören sie außerdem zu den langlebigeren Meeresbewohnern.
Miesmuscheln sind die Klärwerke der Meere – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Eine einzelne Muschel filtert bis zu 4 Liter Wasser pro Stunde und befreit es dabei von Schwebstoffen und Algen. Pro Quadratmeter Muschelbank werden sogar 140 Liter stündlich gereinigt. Die beeindruckendste Zahl: Alle Muscheln des Wattenmeeres können dessen gesamtes Wasservolumen in nur 2 Wochen reinigen.
Muscheln leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz, der oft unterschätzt wird. Sie stabilisieren den Meeresboden und sorgen als natürliche Barriere für Wellenbrechen. Ihre Bänke bilden lebendige Strukturen, die Erosion verhindern. Damit schützen sie nicht nur die Küstenlinie, sondern schaffen auch Lebensräume für zahlreiche andere Meeresorganismen.
Haftfäden, aus denen die Wissenschaft lernen will
Der sogenannte Byssus ist ein besonderer Festhaltemechanismus, mit dem sich Muscheln gegen das Abtreiben schützen. Mit diesen Fäden halten sie sich an Steinen und anderen Muscheln fest – hochskaliert auf menschliche Dimensionen sind diese Fäden stärker als Stahlseile. Die Forschung versucht seit Jahren, dieses Naturwunder für menschliche Anwendungen nutzbar zu machen. Bisher allerdings noch ohne Erfolg, doch das Potenzial bleibt enorm.
Durch das Festhalten untereinander oder an Steinen sammeln sich wie eingangs schon erwähnt oft viele Menschen an einem Ort und bilden so Muschelbänke. Dazu muss man wissen: Miesmuscheln sind soziale Tiere, die alleine kaum überleben können. Sie kommunizieren mittels chemischer Prozesse und bilden dichte Gemeinschaften. Diese sozialen Strukturen sind überlebenswichtig für die einzelne Muschel. Warum genau ist aber auch noch nicht abschließend geklärt.
Welche Bedeutung haben sie als Nahrung?
Als beliebte Delikatesse machen Muscheln den Großteil der gegessenen Meeresfrüchte aus. Sie sind eine bedeutende Proteinquelle in vielen Küchen weltweit. Letztes Jahr umfasste der globale Markt ein Gesamtvolumen von 3,81 Milliarden Euro und ein Gesamtgewicht von 6,7 Millionen Tonnen. Seit Jahren nehmen die Erntemengen in der industriellen Zucht allerdings kontinuierlich ab.
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Der Klimawandel ist derzeit das Hauptproblem für Miesmuscheln, da sie mit steigenden Temperaturen nicht klarkommen. Durch vermehrten Regen gelangt immer mehr Süßwasser in die Meere, was den salzliebenden Muscheln zusetzt. Die Hitze lässt Algen und Parasiten schneller wachsen, invasive Arten breiten sich aus. Auch die Versauerung der Ozeane macht den Muscheln zunehmend zu schaffen.
Wie reagieren Muscheln auf Mikroplastik?
Muscheln scheinen mit dem inzwischen überall vorkommendem Mikroplastik keine allzu großen Probleme zu haben, da sie dieses wie normale Sedimente behandeln, die ohnehin im Meer vorkommen. Sie filtern die winzigen Plastikpartikel wie andere Schwebstoffe aus dem Wasser. Allerdings fehlen dazu noch Langzeitstudien, um die tatsächlichen Auswirkungen vollständig zu verstehen.
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