Das neue Kieler Geschichtszentrum in der Hopfenstraße

Im Rathaus Hopfenstraße 30 entsteht ein einzigartiges Geschichtszentrum. Stadtarchiv, Werkstatt 20. Jahrhundert und Geschichtsgesellschaft arbeiten unter einem Dach unter dem Titel "Stadtgeschichte hoch 3" zusammen. Auf 3.300 Quadratmetern wird Kieler Geschichte bewahrt, erforscht und lebendig gemacht. Und wie bei allen städtischen Ausstellung und Museen gilt: Der Eintritt ist kostenlos. Gefeiert werden die neuen Räumlichkeiten mit einem Tag der offenen Tür am 14.03.2026 von 11 bis 17 Uhr.

Eine Informationstafel in einer Ausstellung in Kiel zum Thema "Deportation und Zwangsarbeit"
Eine Informationstafel in der neuen Ausstellung, ©Kiel-Magazin.de

Ein neues Zentrum in zentraler Lage

Drei Institutionen schaffen gemeinsam einen neuen Ort für historische Forschung und Begegnung. Das Stadtarchiv bewahrt das historische Gedächtnis mit Urkunden, Akten und Fotografien. Die Werkstatt "20. Jahrhundert" zeigt, wie historische Forschung funktioniert und lädt die Stadtgesellschaft ein, eigene Fragen an die Geschichte zu stellen. Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte vernetzt Engagierte und gestaltet Projekte, Veranstaltungen und Publikationen.

Das ehemalige Bundesbankgebäude wird zum lebendigen Geschichtsort. "Hier entsteht etwas ganz Neues", erklärt Dr. Johannes Rosenplänter, Institutsleiter des Stadtarchivs, der Werkstatt 20. Jahrhundert und des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums. "Wir verbinden die bewährten Services von Archiv und Geschichtsgesellschaft mit den neuen Angeboten der Werkstatt 20. Jahrhundert." Dieser deutschlandweit einzigartige Ansatz lädt alle Menschen ein, Kiels Vergangenheit und Zukunft gemeinsam zu entdecken.

Endlich mehr Platz für das Stadtarchiv

Der Umzug des Stadtarchivs war eine logistische Meisterleistung. Von Dezember 2024 bis Mai 2025 wurden die historischen Schätze vom Rathausturm in die Hopfenstraße transportiert. Rund sechs Monate dauerte diese komplexe Operation, bei der größte Sorgfalt geboten war.

Die Zahlen sind beeindruckend: 6.000 Regalmeter Akten fanden ihren Weg in die neuen Magazine. Dazu kamen etwa 16.000 Karten und Pläne sowie rund 30.000 Bücher. Mehr als 2,5 Millionen Fotos und Negative mussten fachgerecht verpackt und transportiert werden.

Die Tresorräume der ehemaligen Bundesbankfiliale bieten ideale Bedingungen für Archivalien. Sie dienen jetzt als Magazine zur sicheren Lagerung alter Dokumente und auch als Schutz vor Insekten, die sich gerne durch Buchseiten fressen. Mehr als sechs Regalkilometer an Akten, Fotos und Karten finden hier Platz. Die massiven Tresore schützen das historische Gedächtnis der Stadt optimal.

Im neuen Lesesaal stehen euch zwölf moderne Arbeitsplätze zur Verfügung. An speziellen Terminals könnt ihr digitale Fotos, Dokumente und Karten einsehen und das Stadtarchiv bietet der Öffentlichkeit jetzt eine ideale Umgebung für stadthistorisches Forschen. Gruppen sind im eigenen Seminarraum gerne willkommen.

Am Tag der offenen Tür könnt ihr einen Blick in diese besonderen neuen Räume und auch die Tresorräume mit den Regalen der Archivalien werfen. Die ehemaligen Bankräume haben eine ganz eigene Atmosphäre, denn sie verbinden Sicherheit mit Geschichte auf einzigartige Weise.

Die neue Dauerausstellung

Die Dauerausstellung "Kieler. Zeit. Räume. im Nationalsozialismus" nimmt euch mit zu neun Orten im Kieler Stadtraum. Von diesen Orten ausgehend wird die Geschichte Kiels im Nationalsozialismus erzählt. Ihr erfahrt beispielsweise von der jüdischen Rabbinerfamilie Posner am Sophienblatt und der Bücherverbrennung am Wilhelmplatz.

Die Ausstellung zeigt auch die nationalsozialistische Ausrichtung der Olympischen Segelregatten auf der Kieler Förde. Besonders berührend ist die Geschichte des Zwangswohnlagers für Sinti und Roma in der Preetzer Straße, an dessen Stelle sich heute der Sport- und Begegnungspark befindet, der mehrere Informationstafeln und historische Dokumente, wie Verfolgungsakten und Zeitungen, als Hilfsmittel beiseite liegen und vielschichtige Einblicke in diese dunkle Zeit eröffnen.

Die Ausstellung wurde vom Fachteam der Werkstatt in enger Zusammenarbeit mit Initiativen entwickelt. Der Kieler Beirat für Menschen mit Behinderung und der Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Schleswig-Holstein e. V. waren an der Umsetzung beteiligt. Schulklassen und Universitätsseminare haben Grundlagen recherchiert und erprobt.

Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben die Konzeption kritisch begleitet. Die Bremer Agenturen gfg – Gruppe für Gestaltung und oblik identity design haben die Ausstellung gestaltet. "Nach vier Jahren Vorbereitung starten wir mit einem neuen Bildungsort in die Praxis: In der Werkstatt 20. Jahrhundert stehen das Mitforschen und ein kreativer Umgang mit Geschichte im Fokus", erklärt Dr. Sabine Moller, Leitung der Werkstatt 20. Jahrhundert.

Wie könnt ihr mitforschen?

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Das Forschungsforum im Herzen der Ausstellung bietet drei interaktive und spielerische Bereiche. Sie ermöglichen Einstiege in die historische Arbeit und regen kreativ dazu an, neue Perspektiven einzunehmen. Mitforschen und ein kreativer Umgang mit Geschichte stehen im Fokus, um auch wirklich alle Besucherinnen und Besucher mit der Ausstellung zu begeistern.

Diese drei kreativen Räume sind:

  • Die Raumstation: In ihr dreht sich alles um Karten aus verschiedenen Blickwinkeln, digital und analog. Ihr könnt bekannte und unbekannte Orte der Stadt neu lokalisieren und historisch erkunden. Eure eigene Perspektive könnt ihr aktiv einbringen. Die Raumstation macht Stadtgeschichte räumlich erlebbar.
  • Das Fotolabor: Hier untersucht ihr historische Fotografien und entdeckt Details. Ihr werdet eingeladen, Bilder zu hinterfragen und kritisch zu betrachten. Kieler Geschichte könnt ihr anhand von Bildern neu erzählen. Das Fotolabor schult euren Blick für visuelle Quellen.
  • Die Biografiewerkstatt: Hier werdet ihr zu echten Spurensuchenden. Ihr sammelt Hinweise, befragt Quellen und stoßt auf spannende Persönlichkeiten aus Kiel. Vielleicht entdeckt ihr sogar eure eigene Familiengeschichte.

Buchbare Räumlichkeiten

Neben der Ausstellung könnt ihr verschiedene Arbeits- und Aufenthaltsräume nutzen. Eine Teeküche, ein Seminarraum und ein Foyer mit Arbeitsplätzen stehen während der regulären Öffnungszeiten bereit. Die Räume schaffen eine angenehme Atmosphäre für Austausch und konzentriertes Arbeiten.

Außerhalb der Öffnungszeiten ist die Werkstatt für besondere Gruppen reservierbar. Schulklassen, Studierende, Forschende, Vereine und Initiativen können die Räume für ihre Projekte nutzen. Das Geschichtszentrum wird so zum flexiblen Lernort für alle.

Auch in den neuen Räumlichkeiten - Die Gesellschaft für Stadtgeschichte

Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e. V. bezieht eine neue Geschäftsstelle im Geschichtszentrum. Für den traditionsreichen Verein, der ebenfalls bisher in kuscheliger Nachbarschaft zum Stadtarchiv im Rathausturm beheimatet war, ist der Umzug ein Neuanfang. Der Verein, der 2025 sein 150-jähriges Bestehen feierte, macht die Räume zum Anlaufpunkt für die fast 1.300 Mitglieder. Kleine lustige Anekdote: Diese Zahl höher als in Hamburg und generell einer der größten in ganz Deutschland.

Die neuen Veranstaltungsräume bieten ganz neue Möglichkeiten für Angebote und die Vernetzung der Mitglieder. Durch die enge Kooperation mit Stadtarchiv und Werkstatt entfaltet die stadthistorische Forschung starke Sichtbarkeit. Die Zusammenarbeit schafft neue Innovationspotentiale für alle Beteiligten.

Am Tag der offenen Tür könnt ihr die Geschäftsstelle besichtigen. Dort erhaltet ihr Informationen über Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Gesellschaft. Ein Bücherflohmarkt rundet das Angebot ab.

Deutschlandweit wenig Vergleichbares

"Mit 'Stadtgeschichte hoch 3' schaffen wir im Rathaus Hopfenstraße einen deutschlandweit einzigartigen Ort für Erinnerung, Forschung und Begegnung", betont Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Renate Treutel, die sich bei der Eröffnung sichtlich darüber gefreut hat, dass sie dieser noch auf die letzten Tage ihrer Amtszeit beiwohnen konnte. "Hier wird Geschichte nicht nur bewahrt, sondern die Stadtgeschichte gemeinsam mit den Kielerinnen und Kielern aktiv erforscht." Denn es gibt noch so viel in der Geschichte Kiels zu entdecken – Schätze, die gehoben werden wollen.

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus stärkt das Demokratieverständnis heute. Sie ist wesentliches Fundament für eine verantwortungsvolle Zukunft. "Stadtarchiv, Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte und die Werkstatt 20. Jahrhundert Tür an Tür mit fließenden räumlichen Übergängen begeistern für historische Bildung in unserer Stadt", so Treutel weiter.

Wann öffnet das Zentrum?

Der Lesesaal des Stadtarchivs ist bereits geöffnet und steht für eure Recherchen bereit. Am Freitag, 13. März, findet die offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen statt. Am Sonnabend, 14. März, von 11 bis 17 Uhr laden alle drei Institutionen zum Tag der offenen Tür. Der Eintritt ist kostenfrei.

Ihr könnt die neuen Räume besichtigen, die Ausstellung entdecken und in die ehemaligen Tresorräume schauen. Es werden Führungen, Filme und Gespräche mit Mitwirkenden angeboten. Das gesamte Team steht für eure Fragen zur Verfügung. Nutzt die Chance, diesen besonderen Ort kennenzulernen.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel