Kiel stellt sich dem Klimawandel

Hitze, Starkregen, Sturmfluten – der Klimawandel ist längst auch bei uns im Norden in Kiel angekommen. Mit einem neuen Rahmenkonzept bereitet sich die Landeshauptstadt systematisch auf diese Herausforderungen vor. Am 19. Februar berät die Ratsversammlung über die Strategie, die Kiels Zukunftsfähigkeit sichern soll.

Zwei Frauen vor einem Bild, auf der das Kieler Rathaus mit einen übervollem kleinen Kiel zeigt
Alke Voss und Dr. Martina Baum vor einem Bild, das Kiel mit den Auswirkungen der abgeschmolzenen Polkappen zeigt, ©Kiel Magazin

Was plant Kiel gegen den Klimawandel?

Das neue Rahmenkonzept Klimaanpassung schafft einen strategischen Handlungsrahmen für die gesamte Stadt. Es bündelt Maßnahmen in 15 Handlungsfeldern – von menschlicher Gesundheit über Bevölkerungsschutz bis hin zu Stadtplanung und Hochwasserschutz. "Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit unserer Stadt zu stärken und Kiel als lebenswerte und nachhaltige Stadt weiterzuentwickeln", erklärt Umweltdezernentin Alke Voß.

Der Klimawandel ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern bereits spürbare Realität. Klimaprojektionen zeigen weiter steigende Temperaturen und häufigere Extremwetterereignisse. Als Küstenstadt steht Kiel vor besonderen Herausforderungen: Sturmfluten bedrohen die Stadt, während zunehmende Hitzeperioden die Gesundheit der Bevölkerung belasten. Frühzeitiges Handeln soll Schäden vermeiden und die Lebensqualität langfristig sichern.

Die Herausforderungen sind vielfältig und bereits deutlich spürbar. Starkregen und Dürreperioden wechseln sich ab, Fluten bringen Wassermassen in die Stadt. Vorhandene Straßenbäume müssen geschützt werden, da sie wichtige Schattenspender sind. Der Teich im Schützenpark soll von Sandmengen befreit werden, die hineingespült wurden – das schafft mehr Retentionsvermögen und damit mehr Fläche zur Wasseraufnahme.

Wie sieht Klimaanpassung konkret aus?

Der Schützenpark als Leuchtturmprojekt

Ein Beispiel für praktische Umsetzung ist der Schützenpark. Dort entstehen Maßnahmen der blau-grünen Infrastruktur: klimaangepasstes Regenwassermanagement, der Ausbau der Grünachse und neugestaltete Wege. Besonders wichtig: Der Park dient als Frischluftschneise in die Stadt und verbessert so das Mikroklima. Diese Maßnahmen stärken die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Starkregen erheblich.

Neue Flächen für Kinder und Sport

Auch der ehemalige Verkehrsübungsplatz am Exerzierplatz wird umgebaut. Dort sollen mehr Flächen für Kinder und Jugendliche entstehen, inklusive Sportgeräten. Der Umbau zeigt, wie Klimaanpassung und soziale Infrastruktur Hand in Hand gehen können. Solche Projekte verbessern nicht nur die Klimaresilienz, sondern auch die Lebensqualität im Quartier.

Die Stadt nimmt systematisch weitere Flächen unter die Lupe, an denen Entsiegelung sinnvoll wäre. Im Fokus stehen dabei:

  • Europaplatz – zentrale innerstädtische Fläche
  • Hummelwiese – Potenzial für mehr Grün
  • Südfriedhof – naturnahe Gestaltung möglich
  • Vinetaplatz – Aufwertung des Stadtteils

Vieles passiert bereits beim Ausbau der Stadtbahn, wo Entsiegelung und klimafreundliche Gestaltung mitgedacht werden. Und auch beim Thema Fassadenbegrünung wird sich etwas tun - vor kurzem gab es einen gemeinsamen Austausch zwischen Stadt und Immobilienbranche über neue Regeln dazu. Ergebnis noch offen.

Wie schützt sich Kiel vor Hochwasser?

Kiel entwickelt bis zum Jahresende gemeinsam mit am Wasser liegenden Unternehmen ein umfassendes Konzept. Mit dabei sind TKMS, die Stadtwerke und umliegende Gemeinden. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend, denn Hochwasserschutz endet nicht an Stadtgrenzen. Das gemeinsame Konzept soll koordinierte Maßnahmen ermöglichen und alle Akteure einbinden.

Der Katastrophenschutz wird gezielt verbessert und ausgebaut. Geplant sind mehr Übungen und eine direktere Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Im Ernstfall zählt jede Minute – deshalb setzt Kiel auf bessere Vorbereitung und klare Abläufe. Die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Verwaltung wird intensiviert.

Welche Handlungsfelder umfasst das Konzept?

Die 15 Handlungsfelder decken alle relevanten Bereiche ab:

  • Menschliche Gesundheit und Wohlbefinden – Schutz vor Hitzebelastung
  • Bevölkerungs- und Katastrophenschutz – Vorbereitung auf Extremwetter
  • Stadtplanung und Landschaftsplanung – klimaresiliente Stadtentwicklung
  • Hochwasserschutz – Schutz vor Sturmfluten und Starkregen
  • Stadtgrün und Bodenschutz – Erhalt natürlicher Ressourcen
  • Tourismus – Anpassung an veränderte Bedingungen

Wie geht es jetzt weiter?

Mit dem Rahmenkonzept geht Kiel einen wichtigen strategischen Schritt. Es ermöglicht systematisches und langfristiges Handeln statt kurzfristiger Reaktionen. Das Konzept dient als Grundlage für konkrete Projekte und strategische Entscheidungen der kommenden Jahre. So sichert die Stadt die Lebensqualität auch für kommende Generationen.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel