Integration durch Empowerment
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In Schleswig-Holstein entstand in den vergangenen drei Jahren etwas Besonderes: Ein Projekt, das Menschen aus Drittstaaten gezielt stärkt und ihnen echte Teilhabe ermöglicht. "Netzwerk Integration – Empowerment #WIRKLICHMACHEN" schuf über 38 Monate hinweg Räume, in denen Begegnung, Austausch und politische Mitgestaltung wirklich gelebt wurden. Bei der Abschlussveranstaltung im Februar 2026 in der Alten Mu feierten alle gemeinsam, was sie erreicht haben. Und das ist eine ganze Menge.
Warum ein besonderes Projekt?
Fünf starke Partner haben sich zusammengetan: die Diakonischen Werke Schleswig-Holstein, Husum und Altholstein, das Frauenwerk der Nordkirche und kulturgrenzenlos e.V. Ihr gemeinsames Ziel bis Februar 2026? Drittstaatsangehörigen, also Menschen von außerhalb der EU, gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Dabei lag der Fokus besonders auf Frauen, denn sie haben es oft noch schwerer, Zugang zu finden. Das Team entwickelte innovative Tools und sorgte dafür, dass die authentischen Stimmen der Betroffenen direkt bei Verwaltungen und Behörden ankamen.
Statt einfach loszulegen, stellten die Projektverantwortlichen erst mal eine entscheidende Frage: Was braucht ihr wirklich? Über Fragebögen, persönliche Gespräche und niedrigschwellige Beratungen fanden sie heraus, was die Menschen bewegt. Der Schlüssel zum Erfolg? Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Communitys selbst. Sie sprachen die Herkunftssprachen, kannten die Lebensrealitäten und bauten echtes Vertrauen auf. Die Themen waren so vielfältig wie das Leben: Arbeit, Ausbildung, Gesundheit, Aufenthaltsrecht.
Wenn jemand in der Muttersprache mit einem spricht, fühlt sich das anders an. Die Ansprache in der Herkunftssprache baute Brücken und schuf Vertrauen. Teilhabe-Multiplikatorinnen und -Multiplikatoren bekamen eine Ehrenamtspauschale und brachten ihre Ideen aktiv ein. Im Teilprojekt ALLES GUT?! arbeitete zum Beispiel ein Tandem aus Sozialpädagogin und Community Coach Hand in Hand. So kamen pädagogisches Know-how und gelebte kulturelle Erfahrung zusammen – eine unschlagbare Kombination.
Welche konkreten Angebote entstanden?
Das Ideencafé von kulturgrenzenlos e.V. in Kiel wurde zum Treffpunkt für junge Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ein Ehrenamtsteam gestaltete Aktivitäten mit und teilte die Erfahrungen in einer eigenen Podcast-Reihe. Das Diakonische Werk Husum brachte mit "Ankommen. Andocken" Menschen in der Nachbarschaft zusammen und zeigte, wo es Hilfe gibt. Dabei ging es nicht um Standardprogramme, sondern um Angebote, die wirklich passten.
"Teil haben. Teil werden" vom Frauenwerk der Nordkirche hatte ein klares Ziel: Frauen sollten politisch mitgestalten können. Das Projekt baute ein Netzwerk auf, in dem Frauen ihre Stimme fanden und lernten, für ihre Anliegen einzustehen. Es ging darum, dauerhafte Strukturen zu schaffen.
Die Fachstelle TABU widmete sich mit "ALLES GUT?!" einem sensiblen Thema: weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C). Betroffene Mädchen und Frauen lernten durch Hilfe zur Selbsthilfe, ihre eigenen Stärken zu erkennen. Neben psychosozialer Unterstützung und Gruppenangeboten entstand eine praktische Toolbox für Schulen und Ausbildungsklassen, sowohl zum Anfassen als auch digital.
Wie wurden Bedarfe an Politik und Gesellschaft vermittelt?
Drei große Fachtage brachten Menschen zusammen, die sonst selten am selben Tisch sitzen: Fachleute aus dem Sozialraum, Politik und Drittstaatsangehörige. "Vielfalt/Engagement/Teilhabe", "Powersharing" und "Jetzt sprechen wir" hießen die Veranstaltungen. In Workshops und Podiumsdiskussionen entstand ein Forderungskatalog – keine leeren Worte, sondern konkrete Ansagen an die Politik. Dazu kamen zahlreiche Fortbildungen, die die ermittelten Bedarfe direkt an Regeldienste und Verwaltungen weitergaben.
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Der 30-minütige Film "Angekommen. Nicht nur Gast" lässt die Protagonistinnen und Protagonisten selbst sprechen. Fast alle Hauptpersonen waren Teilhabe-Multiplikatorinnen und -Multiplikatoren des Projekts – Menschen, die jahrelang erlebt haben, dass über sie geredet wird, statt mit ihnen. Jetzt erzählen sie ihre Geschichte selbst. Filmemacher Saad Kanbar, der selbst geflohen ist, fing diese authentischen Momente ein.
Wie stärkte das Projekt die Selbstwirksamkeit?
Die Gruppenangebote wurden zu geschützten Räumen, in denen sich Menschen gegenseitig stärkten. Sprachtreffs, regelmäßige Community-Treffen und Ideenteams schufen Platz für echten Austausch ohne Druck. Hier konnten alle Wissen teilen, dazulernen und aussprechen, was sie sich wünschen. Infoveranstaltungen zu Berufsorientierung, Einbürgerung und Beratungsstellen deckten konkrete Bedarfe ab. Empowerment-Workshops vermittelten das Rüstzeug, um selbstständig zu handeln.
Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden richtig aktiv: Sie entwickelten eigene Angebote und leiteten Gruppen selbst. Im Teilprojekt "Ankommen. Andocken" entstand zum Beispiel ein Gesprächskreis für Frauen, die wenig Deutsch sprachen und kaum Anschluss fanden. Sie verbanden Sprachtraining mit Tanzen, lernen und Spaß haben gleichzeitig. Etwas geben zu können, nicht nur zu nehmen – das stärkte alle Beteiligten und zeigte: Ich kann was bewirken.
Bei der Abschlussveranstaltung kamen viele Worte zusammen: Anerkennung, starke Community, Selbstermächtigung. Empowerment heißt, Vertrauen zu erleben, zusammenzukommen und wirklich mitzugestalten. Es bedeutet auch, Räume zu haben, die einem gehören, sich gegenseitig zu motivieren, Neues zu entdecken und dabei Freude zu empfinden. Die Beteiligten erzählten, wie gut es tat, endlich gehört zu werden – als Menschen mit Ideen und Stärken, nicht als Hilfsbedürftige.
Wie geht es nach Projektende weiter?
Ein Folgeantrag liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Hoffnung? Ab Juli 2026 könnte es weitergehen. Bis dahin braucht es viel Ehrenamt, um das Aufgebaute am Leben zu halten. Geplant ist eine Wanderausstellung: "Empowerment #SICHTBAR machen". Alle Beteiligten, die Menschen, Vereine und Organisationen, sind sich einig: Das Projekt hat funktioniert. Jetzt muss es nur weitergehen dürfen.
Die wichtigsten Lehren: Fragt die Menschen direkt, was sie brauchen. Reflektiert Machtverhältnisse immer wieder neu. Schafft geschützte Räume, in denen die Herkunftssprache gesprochen wird. Sorgt für konkrete Begegnungen und sprecht einfach, ohne Fachchinesisch. Wichtig sind auch transparente Strukturen, kultursensible Kommunikation und Fortbildungen im Sozialraum. Und ganz zentral: Eine verlässliche langfristige Finanzierung statt kurzfristiger Projektgelder würde verhindern, dass gute Leute gehen müssen und mühsam Aufgebautes wieder zusammenbricht.
Neugierig auf weitere Integrationsprojekte, die wirklich etwas bewegen? Schaut bei uns auf kiel-magazin.de vorbei – wir zeigen euch, was in der Region passiert.