Kiel ebnet Wege zur Inklusion

Die Landeshauptstadt Kiel bringt eine neue Elternbroschüre heraus, die Familien den Zugang zu Förderung und Teilhabe erleichtert. In einfacher Sprache und mehreren Fremdsprachen zeigt sie, welche Unterstützung Kinder in Kita und Grundschule erhalten können – und wie ihr diese beantragt.

Fünf Kinder sitzen nebeneinander auf einer Bank. Das Foto ist von hinten aufgenommen.
Kinder sitzen nebeneinander auf einer Bank, © unsplash.com / Piron Guillaume

Warum gibt es die neue Broschüre?

Die Gesetzeslage rund um Förderangebote ist komplex und für viele Eltern schwer durchschaubar. Verschiedene Sozialgesetzbücher und Leistungsbereiche erschweren den Überblick. Selbst der Gesetzgeber erkennt diese Hürde an und finanziert deshalb sogenannte Verfahrenslotsen. Kiel geht noch einen Schritt weiter: Mit der neuen Elternbroschüre sollen alle Familien schnell und unkompliziert die passende Hilfe finden.

Bürgermeisterin Renate Treutel betont: "Unser Ziel ist, dass alle Kinder die gleichen Teilhabe- und Bildungschancen haben." Die Unterstützung könne aber nur wirken, wenn Eltern die Wege dafür kennen. Genau hier setzt die Broschüre an.

Was steht in der Broschüre?

Fachleute des Dezernats für Bildung und Jugend sowie des Schulamtes haben die Inhalte gemeinsam entwickelt. Die Broschüre erklärt in einfacher Sprache, welche Angebote es in Kiel gibt und wo ihr diese beantragt. Sie beantwortet Fragen wie: Was tun, wenn mein Kind mehr Unterstützung braucht? Welche Ansprechpartner sind zuständig? Wie läuft der Antragsprozess ab?

Die Broschüre wird über Kitas, Grundschulen, Erziehungsberatungsstellen und weitere Einrichtungen verteilt. Digital findet ihr sie unter kiel.de/uebergang. Besonders praktisch: Sie ist auch in Englisch, Türkisch, Arabisch, Russisch und Ukrainisch verfügbar. So erreicht sie möglichst viele Familien.

Wer profitiert noch davon?

Neben der Elternbroschüre ist eine ausführlichere Version für Fach- und Lehrkräfte geplant. Diese liefert zusätzliche Hintergrundinformationen zu Kindern mit Unterstützungsbedarf. So können Pädagoginnen und Pädagogen Familien noch gezielter beraten und begleiten.

Welche Hilfen gibt es konkret?

Kiel bietet ein breites Spektrum an Unterstützung für Kinder mit besonderem Bedarf. Dazu zählen heilpädagogische Förderung in der Kita, Schulbegleitung, schulische Assistenz und Klassenbegleitungen. Franziska Berger, Leiterin des Kieler Jugendamtes, erklärt: "Mit der Elternbroschüre vereinfachen wir Kompliziertes." Wichtig sei, dass Kinder so frühzeitig wie möglich gefördert werden.

Je früher Kinder die richtige Unterstützung erhalten, desto besser können sie Entwicklungsaufgaben bewältigen. Fehlt diese Hilfe, wird es später aufwändiger und anstrengender, Versäumtes nachzuholen. Für Kinder mit Beeinträchtigungen gilt das in besonderem Maße. Frühzeitige Förderung erhöht die Chancen auf Teilhabe und einen guten Platz in der Gesellschaft.

Wie unterstützt das Kompetenzteam Inklusion?

Das Kompetenzteam Inklusion berät Fachkräfte direkt in den Kitas. Dadurch gewinnen diese Sicherheit im Umgang mit den Kindern und in der Begleitung von Eltern. Gleichzeitig stehen zwei Verfahrenslotsinnen bereit, die Familien praktisch unterstützen und durch den Antragsdschungel navigieren.

Auch Sprach- und Kulturmittlerinnen gehören zum Team. Sie begleiten Eltern bei Gesprächen, helfen bei der Eingewöhnung in der Kita und sorgen dafür, dass sprachliche Barrieren keine Hürde bleiben. Alle Beteiligten arbeiten so im Sinne der Kinder zusammen.

Wie sieht Inklusion in Kieler Schulen aus?

Inklusive Beschulung ist ein leitendes Prinzip an Kieler Schulen. Sie ist fest im Rahmenkonzept "Schule 2035" des Landes Schleswig-Holstein sowie im Qualitätsrahmen Schule verankert. Das Schulamt unterstützt die Schulen dabei, diese Leitlinien im Alltag konsequent umzusetzen. Inklusion wird als kontinuierlicher Prozess der Qualitätsentwicklung verstanden.

Ein Beispiel ist die Gorch-Fock-Schule, die eng mit der Lilli-Nielsen-Schule kooperiert. Dort werden Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen unterrichtet. Ziel ist größtmögliche Teilhabe am schulischen Leben und Lernen in gemeinsamer Verantwortung.

Was macht den Unterricht inklusiv?

Der Unterricht wird durch Team-Teaching und individuell angepasste Lernangebote gestaltet. Regel- und Sonderpädagogik arbeiten eng zusammen. Schulrat Michael Harder betont: "Inklusion ist kein Zusatzauftrag, sondern ein grundlegendes Prinzip moderner Schule." Sie gelinge dort besonders gut, wo Haltung, fachliche Kompetenz und verlässliche Rahmenbedingungen zusammenkommen.

Das Schulamt begleitet diesen Prozess durch personelle Ressourcen, Fortbildungsangebote und die Förderung multiprofessioneller Zusammenarbeit. Die Gorch-Fock-Schule zeigt exemplarisch, dass gemeinsames Lernen von Vielfalt profitiert und die individuellen Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellt.

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Quelle:  Landeshauptstadt Kiel