Kiels grüne Zukunft aus Trümmern

Nach 1945 verwandelte Kiel seine Trümmer in Hoffnung: Über 100.000 Bäume pflanzten Bürger auf zerstörten Flächen. Aus dieser Not entstand die Grüntangente. Heute ein grünes Band, das Erholung bietet und das Stadtklima schützt.

Drei Menschen vor einer Hinweistafel, die auf das Jubiläum und die Bedeutung des Waldstückes hinweist
Stadträtin Alke Voss, Rolf Fischer, der Vorsitzende der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte und Gerda Waldheim bei der Einweihung der neuen Hinweistafel, ©Kiel-Magazin

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit dem Klick auf „Beitrag anzeigen“ akzeptieren Sie die Datenverarbeitung durch Instagram. Mehr Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung .

Was waren die Gayk-Wäldchen?

Oberbürgermeister Andreas Gayk hatte 1945 eine visionäre Idee: schnell wachsende Bäume sollten die zerstörte Innenstadt begrünen. Die Kieler, darunter viele Schulkinder, pflanzten daraufhin mehr als 100.000 Bäume auf den Trümmerfeldern. Diese Gayk-Wäldchen banden Staub, spendeten Schatten und schufen Erholungsräume. Sie waren Symbole der Zuversicht in einer Zeit des Wiederaufbaus.

Das Wäldchen an der Ecke Koldingstraße/Gerhardstraße/Jungmannstraße ist das letzte seiner Art. Es bildet die historische Basis der Grüntangente, die heute durch mehrere Parkanlagen führt. Diese grüne Achse verbindet Stadtteile und schafft wichtige Lebensräume für Mensch und Tier.

Wie entstand die sogenannte Grüntangente?

Als 1946 der Wiederaufbau beschlossen wurde, planierten die Verantwortlichen eine grundlegende städtebauliche Neuordnung. Wo früher dicht bebaute Quartiere ohne Grünflächen standen, entstand ein zusammenhängendes Grünband. Die Grüntangente reicht von der Lessinghalle bis zur Förde und durchzieht mehrere Stadtteile.

Diese Grünverbindung war pragmatisch und zugleich vorausschauend geplant. Umweltdezernentin Alke Voß betont: "Was damals aus der Not heraus entstanden ist, prägt unsere Stadt bis heute." Die Flächen dienen der Naherholung und leisten einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima. Zudem bieten sie vielen Arten einen geschützten Lebensraum.

Die Grüntangente erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie schafft Erholungsräume für Anwohner und trägt aktiv zum Klima- und Artenschutz bei. In Zeiten des Klimawandels werden solche grünen Korridore immer bedeutsamer. Sie kühlen die Stadt, filtern Schadstoffe und verbessern die Luftqualität.

Die historischen Bäume und neu gepflanzten Arten bilden ein vielfältiges Ökosystem. Grünflächenamtsleiterin Petra Holtappel und Umweltdezernentin Voß haben heute symbolisch einen neu gepflanzten Baum angegossen. Eine erneuerte Informationstafel erinnert an die Geschichte und unterstreicht die Bedeutung für künftige Generationen.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Von Juni bis September könnt ihr die Grüntangente bei verschiedenen Führungen entdecken:

  • 17. Juni: "Stadtgrün statt Trümmer und Asphalt" – 90-minütige Führung ab Lessinghalle um 17 Uhr
  • 2. August: Alter Botanischer Garten – Geschichte und Bestandssicherung, Start 15 Uhr am Literaturhaus
  • 6. September: Kieler Schlossgarten – 400 Jahre Geschichte und Wiederherstellung, Beginn 14 Uhr im Schlosshof
  • 17. September: "Bäume im Blick!" – Zustand und klimaangepasste Arten, 17 Uhr an der Ecke Gerhardstraße/Jungmannstraße
  • 30. September: Stadtentwicklung und Grünplanung – vom Lessingplatz zum Botanischen Garten, 17 Uhr

Die Veranstaltungen beleuchten verschiedene Facetten des Stadtgrüns. Ihr lernt, wie beim Wiederaufbau mehr Grünflächen geschaffen wurden und welche Rolle sie bei der Klimaanpassung spielen. Experten wie Landschaftsarchitekt Reiner Peters und Baumsachverständiger Karsten Jäkel teilen ihr Fachwissen.

Besonders spannend: Die Führung durch den über 200 Jahre alten Botanischen Garten, der denkmalrechtlich geschützt ist. Günter Horstmann vom Förderverein zeigt euch die gelungene Bestandssicherung. Alle Termine und Details findet ihr online.

Für die Umwelt ist das Grünband unverzichtbar: Es reguliert das Mikroklima, bietet Insekten und Vögeln Lebensraum und verbessert die Luftqualität. Die Stadt plant verantwortungsvoll weiter und berücksichtigt dabei die Bedürfnisse kommender Generationen. So bleibt Kiel lebenswert und grün.

Möchtet ihr mehr über Kiels grüne Schätze erfahren? Auf kiel-magazin.de findet ihr zahlreiche weitere Tipps für Ausflüge und Entdeckungen in der Region.

Quelle:  Landeshauptstadt Kiel