Der Flandernbunker – ein Mahnmal des "Dritten Reichs"
Kultur Ausstellungen
Mitten in der Wik steht ein graues Betonrelikt aus dem Zweiten Weltkrieg: der Flandernbunker. Der Verein "Mahnmal Kilian" hat ihn zu einer bedeutenden Bildungs- und Gedenkstätte gemacht.
| Öffnungszeiten: | Montag bis Sonntag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr, jeden Sonntag um 11.30 eine große Führung durch die Ausstellung |
| Preise: | Regulärer Eintritt 4,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro (diese Ermäßigung gilt für Schüler, Studenten, Arbeitslose und Schwerbehinderte) |
Erinnerungskultur im Bunker
Der Flandernbunker ist ein übergebliebenes Zeitzeugnis aus der NS-Zeit. Von 1943 bis Juni 1944 erbaut, diente er als Schutzraum für bis zu 750 Soldaten der 5. U-Boot-Flotte. Gleichzeitig fungierte er als Funkzentrale und Kommandantur für Kiel, den Nord-Ostsee-Kanal und den gesamten Ostseeraum. Seine massiven Betonwände sind über 2,5 Meter dick, die Deckendicke misst 4 Meter.
Der kompakte, trutzige Betonwürfel verzichtet bewusst auf jede Verschönerung. Ausblühungen, Rostspuren und Kondenswasser prägen sein Inneres. 1946 sprengten die Alliierten den Bunker teilweise, 1950 machten weitere Öffnungen ihn militärisch unbrauchbar. Danach verfiel er jahrzehntelang.
1995 gründete der Kieler Journalist und Kunstwissenschaftler Jens Rönnau den Verein "Mahnmal Kilian". Ursprünglich wollte der Verein die ehemalige Bunkerruine "Kilian" am Ostufer erhalten. Trotz intensiver Bemühungen, darunter Führungen, Kunstinstallationen und Andachten, wurde die denkmalgeschützte Ruine 2000 zugunsten der Hafenerweiterung eingeebnet.
2001 erwarb der Verein für rund 30.000 DM den Flandernbunker durch Ersteigerung. Seitdem steht dieser im Zentrum der Vereinsarbeit. 2004 wurde er unter Denkmalschutz gestellt und behutsam saniert und barrierefrei umgebaut. 1999 erhielt der Verein bereits den Deutschen Preis für Denkmalschutz.
Was erwartet euch im Flandernbunker?
Der Bunker ist Bildungs-, Kultur- und Gedenkstätte zugleich. Auf drei Geschossen und 550 Quadratmetern Grundfläche erlebt man hier anschauliche Geschichtsvermittlung. Ausstellungen zeigen mit Fotos, Texten und Videos die Verbindung zwischen Kiel und der Marine, von der Einrichtung des Reichskriegshafens 1871 bis zur NS-Gewaltherrschaft. Interview-Ausschnitte von Zeitzeuginnen und -zeugen bringen die damalige Realität eindringlich nahe.
Im ersten Stock befindet sich die historische Dauerausstellung. Sie dokumentiert den Flandernbunker und seine Rolle im Zweiten Weltkrieg. Der zweite Stock beherbergt wechselnde Ausstellungen zu Geschichte und Kunst. Über eine Eisentreppe erreicht ihr das Dach mit seinem Rundblick über die Kieler Förde, vom Militärhafen bis zum Marine-Mahnmal in Laboe.
Die Räume vermitteln durch ihren ursprünglichen Zustand eine besondere Atmosphäre. Ihr seht die enormen Wandstärken an den Durchbrüchen und spürt die Enge, in der Menschen Schutz suchten. Dieser authentische Charakter macht den Bunker zu einem einzigartigen Lernort. Der Verein verfolgt ein klares Ziel: Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.
Wie lernt ihr aus der Geschichte?
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Krieg wird durch abstrakte Zahlen nicht begreifbar, erst persönliche Schilderungen machen das Leid fassbar. Deshalb initiierte der Verein 2005 das Kriegszeugenprojekt. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Kiel, dem Offenen Kanal und dem Kieler Stadtmuseum werden Zeitzeugen ermutigt, von ihrem Schicksal zu berichten. Die Erzählungen werden dokumentiert, ausgewertet und mit Zustimmung veröffentlicht.
Historische Dokumente wie Bilder und Briefe veranschaulichen das damalige Geschehen. So bleibt das Wissen einer Generation erhalten, die den Krieg aus eigener Erfahrung kennt. Für jüngere Menschen sind solche Berichte unverzichtbar, um den Wert von Frieden und Demokratie zu begreifen, aktuell vielleicht wieder wichtiger als jemals zuvor in den vergangenen 80 Jahren.
Der Flandernbunker ist lebendiger Begegnungsort mit vielfältigem Programm. Neben regelmäßigen Führungen finden wissenschaftliche Vorträge, Lesungen und Diskussionen statt. Kunstausstellungen sowie Film- und Theatervorführungen sensibilisieren gegenüber Krieg und Gewalt. Der Verein organisiert zudem Tagesseminare, Symposien und Projektwochen für Schulklassen.
Die Themen reichen von der Kieler Stadtentwicklung ab 1871 über Zwangsarbeit und Verfolgung bis zu aktuellen Konflikten. Der Verein tritt grundsätzlich für Völkerverständigung und Friedensförderung ein. Auch Anti-Gewalt-Projekte und die Entwicklung von Friedensmodellen gehören zum Konzept. Interessierte können die Räume für eigene Projekte nutzen und mieten, sofern sie thematisch passen.
Wie erreicht ihr den Flandernbunker?
Der Flandernbunker befindet sich in Kiel-Wik an der Kiellinie, Eingang Marinehafen. Mit den KVG-Buslinien 41/42 und 32/33 erreicht ihr die Haltestelle Mercatorstraße, von dort sind es nur 170 Meter Fußweg. Alternativ nutzt ihr die Linien 6, 11, 91/92, 501/502 oder 900/901 bis zur Haltestelle Elendsredder. Für Autofahrer stehen direkt hinter dem Bunker kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.
Der Verein "Mahnmal Kilian" ist offen für Kooperationen mit zahlreichen Partnern. Dazu zählen Archive, Gedenkstätten, Schulen, Universitäten, Kirchen, Friedensorganisationen und Kulturschaffende. Konkrete Zusammenarbeit bestand bereits mit den Schleswig-Holsteinischen Gedenkstätten, der Stadt Kiel, der Universität Kiel und der Partnerstadt Brest. Der Verein ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein.
Als Kriegsgrab erinnert der Bunker daran, dass hier Menschen litten und starben. 1945 organisierte man von hier aus die Flucht über die Ostsee und wies Schiffe in die Häfen der westlichen Ostsee ein. Diese historische Bedeutung macht ihn zu einem zentralen Erinnerungsort in Kiel. Für sein Engagement erhielt Jens Rönnau 2014 die Andreas-Gayk-Medaille der Stadt Kiel und 2017 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
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