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Sehenswertes

Stolpersteine in Kiel

Stolpersteine

In über 500 Orten in Deutschland und im europäischen Ausland hat der Künstler Gunter Demnig seit dem Jahr 2003 so genannte "Stolpersteine" verlegt. Die würfelförmigen Gedenktafeln aus Messing erinnern an das Schicksal von Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort der NS-Opfer in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Auf ihrer Oberseite befindet sich eine beschriftete Messingplatte mit den Lebens- und Todesdaten der Opfer.

Auf Initiative der Landeshauptstadt Kiel, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Gewerkschaft ver.di hat Gunter Demnig in Kiel bisher 107 derartiger Steine verlegt. Das Besondere an dem Erinnerungsprojekt ist, dass inzwischen Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften den erschütternden Schicksalswegen der Opfer nachspüren und so zu einem lebendigen Teil des Projektes werden. Ihre Recherchen sind jetzt auf der städtischen Internetseite www.kiel.de/stolpersteine nachzulesen. Dort sind alle in Kiel und Kronshagen verlegten Stolpersteine verzeichnet. Per Mausklick lassen sich die jeweiligen Adressen im Stadtplan aufrufen. Außerdem gibt es Informationen für Schulen, die zukünftige Stolpersteinverlegungen begleiten möchten. Da die Verlegung von Stolpersteinen über Spenden finanziert wird, sind auch entsprechende Kontoangaben hinterlegt.

Für Stadtpräsidentin Cathy Kietzer und Oberbürgermeister Torsten Albig sind die Stolpersteine eine beklemmende Warnung aus der Tiefe der Geschichte. "So unerträglich es sein mag, sich mit diesem dunkelsten und grausamsten Kapitel unserer Geschichte zu befassen, so notwendig und wertvoll sind die jetzt online präsentierten Texte über die Opfer, die Kenntnis über ihr Schicksal und die Umstände, die die millionenfache Menschenvernichtung erst möglich machten." Kietzer und Albig hoffen nun, dass der Erinnerungsgedanke durch die neue Form der Online-Präsentation leichter gerade auf die jüngere Generation überspringt: "Leider ist braunes Gedankengut auch in unserer Stadt eine bittere Realität. Deshalb müssen wir im Andenken an alle Opfer weiter mit Erinnerungsarbeit gegen Klischees und Vorurteile ankämpfen. Das ist die moralische Pflicht der Demokratie."

11.11.2015

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