Das Dosenmoor bei Neumünster
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Das Dosenmoor bei Neumünster ist Schleswig-Holsteins größtes regenerierendes Hochmoor. Auf über 500 Hektar erlebt ihr eine faszinierende Urlandschaft mit seltenen Pflanzen, Kranichen und Moorfröschen. Seit 1981 steht das Gebiet unter Naturschutz und wird erfolgreich renaturiert.
Was macht das Dosenmoor so besonders?
Das nahezu kreisrunde Hochmoor liegt auf der Wasserscheide zwischen Eider und Stör. Nach der letzten Eiszeit entstand hier vor 12.000 Jahren ein großer See, der allmählich verlandete. Torfmoose bildeten über Jahrtausende einen bis zu acht Meter mächtigen Torfkörper, der sich charakteristisch uhrglasförmig aufwölbt. Heute ist das Dosenmoor trotz jahrhundertelanger Nutzung das besterhaltene Hochmoor der Region.
Schmelzwasser der Gletscher formte das Gelände und hinterließ einen Toteisblock. Daraus entwickelte sich der fast neun Quadratkilometer große Dosensee. Sedimente, Algen und Wasserpflanzen füllten das Becken, Schilf und Bruchwälder folgten. Das regenreiche atlantische Klima ließ schließlich Torfmoose wachsen, die jährlich etwa einen Millimeter Torf bildeten und das typische baumfreie Hochmoor schufen.
Wie könnt ihr das Moor erleben?
Vom Parkplatz am Bahntunnel führt ein 2,5 Kilometer langer Hauptweg durch das Gebiet. Ein Bohlenweg ermöglicht euch Einblicke in die typische Moorvegetation. Nehmt Zeit und ein Fernglas mit – die beeindruckende Weite bietet zu jeder Jahreszeit faszinierende Naturerlebnisse. Im Randbereich halten Rinder und Pferde die Vegetation kurz, damit Wiesenvögel wie die Bekassine ihren Lebensraum behalten.
Im alten Torfwerk "Einfeld Carl Hornung" entstand das Infozentrum Dosenmoor. Hier erfahrt ihr alles über die Entstehung des Moores nach der letzten Eiszeit. Die Ausstellung zeigt die frühere Nutzung und erklärt den industriellen Torfabbau. Ihr lernt die Bedeutung der Renaturierung kennen und versteht, warum Moore wichtige CO2-Speicher sind.
Bunte Pflanzenwelt
Die wurzellosen Torfmoose prägen das Hochmoor und speichern Regenwasser wie ein Schwamm. Zwischen ihnen gedeihen hochspezialisierte Arten wie Wollgras, Rosmarinheide und Glockenheide. Besonders faszinierend ist der Sonnentau, der mit klebrigen Blättern Insekten fängt und verdaut. Die Moosbeere und das Weiße Schnabelried ergänzen die typische Moorvegetation.
Torfmoose säuern ihre Umgebung stark an und entziehen dem Wasser Nährstoffe. Nur perfekt angepasste Spezialisten überleben unter diesen extremen Bedingungen. Im Frühsommer legt sich ein heller Schleier über das Moor, wenn das Wollgras seine weißen Fruchtstände trägt. In Randbereichen dominiert heute Sekundärvegetation aus Besenheide, Krähenbeere und Pfeifengras.
Welche Tiere leben im Dosenmoor?
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Das Naturschutzgebiet beherbergt über 80 Brutvogelarten, darunter letztes Jahr vier Kranich-Paare. Im November sammeln sich bis zu 70 Kraniche vor dem Zug. Braunkehlchen, Schwarzkehlchen und die seltene Bekassine finden hier ihren Lebensraum.
Im April verwandeln sich die Moortümpel in Konzertbühnen: Himmelblau gefärbte Moorfrosch-Männchen glucksen und blubbern zur Paarungszeit. Bei stillem Beobachten entdeckt ihr Mooreidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern oder die scheue Kreuzotter.
Über der baumfreien Fläche jagen pfeilschnelle Baumfalken nach Libellen. Die offene Landschaft bietet ideale Bedingungen zur Beobachtung verschiedener Greifvögel. Spät abends hört ihr das Quorren der Waldschnepfe und das Schnarren des Feldschwirls. Über 30 Libellenarten zeigen bis Oktober ihre Farbenpracht und bewundernswerten Flugkünste.
Die Geschichte des Moores
Bereits im 18. Jahrhundert begannen systematische Entwässerungen durch Gräben. Bewohner umliegender Dörfer stachen Brenntorf für den Eigenbedarf. Ab 1867 erstellte die Forstverwaltung jährliche Abtorfungspläne. Das 1900 gegründete Torfwerk Einfeld intensivierte den Abbau massiv: Zwischen 1966 und 1977 wurden mit industriellen Großverfahren etwa 200.000 Kubikmeter Torf gewonnen.
Torf diente hauptsächlich als Brennmaterial für Haushalte und Industrie. Die Asche kam als Dünger auf die Felder. Getrockneter Torf wurde sogar als Baustoff für Häuser verwendet. Um 1880 feuerte man damit Anlagen der Eisen- und Stahlindustrie. Später nutzte man ihn als Stallstreu oder Bindemittel. Heute findet er fast nur noch im Gartenbau zur Bodenverbesserung Verwendung.
Wie wird das Moor heute renaturiert?
Seit 1978 läuft die Wiedervernässung mit nährstoffarmem Regenwasser. Alle Entwässerungsgräben wurden verfüllt, Dämme aufgesetzt. 1997 planierte man die industriell abgetorften Flächen großflächig. Nach der Beseitigung des Birkenaufwuchses ist das baumfreie Zentralplateau wieder erkennbar. Schafe und Ziegen beweiden die Flächen und verhindern neuen Birken- und Pfeifengras-Aufwuchs. Birken entziehen dem Moor durch Verdunstung über ihre Blätter wertvolles Wasser. Dichte Baumkronen verdrängen die lichtliebende Hochmoorvegetation durch Schattenwirkung.
Ein lichter Bestand ist jedoch sinnvoll, da er Wind abhält und die Verdunstung mindert. Beim Absägen vervielfacht sich der Bestand durch Wurzelaustriebe – deshalb werden einzelne Birken geringelt und sterben allmählich ab. Unter Ringeln versteht man das Entfernen eines Teils der Rinde, was dazu führt, dass die Wurzeln keine Nährstoffe mehr erhalten und der Baum sich im Laufe mehrerer Jahre zu Totholz entwickelt.
1981 wurde das Dosenmoor zum Naturschutzgebiet erklärt. 1992 meldete Deutschland es als FFH-Gebiet an die EU, die es 2004 bestätigte. 2010 wurde es zum besonderen Erhaltungsgebiet erklärt. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein besitzt den überwiegenden Teil und kauft kontinuierlich weitere Flächen auf. Ein detaillierter Managementplan regelt seit 2016 alle Schutzmaßnahmen.
Warum sind Moore wichtige Klimaschützer?
Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume. Im wassergesättigten Milieu werden abgestorbene Pflanzenreste unter Sauerstoffausschluss nicht vollständig zersetzt – es kommt zur Torfbildung. Auf diese Weise wachsen lebendige Moore etwa einen Millimeter pro Jahr. Mit dem abgelagerten organischen Material wird auch der Kohlenstoff für Jahrtausende im Moor festgelegt.
Obwohl Moore weltweit lediglich drei Prozent der globalen Landfläche einnehmen, binden sie ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs – doppelt so viel wie alle Wälder zusammen. In einem Hektar Moor mit einer 15 Zentimeter dicken Torfschicht findet sich etwa so viel Kohlenstoff wie in einem hundertjährigen Wald auf gleicher Fläche. In Deutschland baute sich seit der Moorentstehung vor 11.000 Jahren ein riesiges Kohlenstofflager auf.
Was passiert bei Moorentwässerung?
Jahrhundertelang galten Moore als lebensfeindliches, nutzloses Ödland und wurden entwässert. Eine Praxis, die bis heute anhält. Dabei bieten Moore nicht nur einzigartige Lebensräume für selten gewordene Arten wie Waldwasserläufer, Sonnentau und Moorfrosch. Ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher spielt im Zuge des Klimawandels und der globalen Erderwärmung eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Klimaschutz.
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