Narzissenweg 3

Freitag, 10.03.2023 20:00 bis 22:00 und  weitere Termine Theater Combinale

Pressebild
Pressebild

Von Kompost, Revolte und Winnetou

Ein Stück von Ulli Haussmann
Vordergründig ist Narzissenweg 3 die Adresse der Gartenlaube, in der Herbert seit Jahren nicht ganz legal wohnt und immer mehr Schrullen entwickelt. Auf den zweiten Blick erweist sich die Narzisse als symbolträchtige Pflanze, deren mythologischer Namensgeber eitel seine Neurosen pflegt. So auch Herbert? Oder eher Brinja und Leon? Sie sind Kinder ihrer Zeit. Ihnen ist bewusst, dass die Welt am Abgrund steht, aber sie zu retten, ist wohl doch ein bisschen viel verlangt. Sie bringen sich lieber vor dieser Welt in Sicherheit... in Herberts Laube. Dass der Alte sich aus seiner Hütte nicht vertreiben lässt, passt nicht in ihren Plan. 
Brinja arbeitet sich an Herbert ab, als sei der für ihre Wut verantwortlich und Leon versteht Herberts Lebensweisheiten gründlich falsch und lässt sich zu einer gewaltigen Dummheit verleiten. Aber der alte Kauz hat eine Eigenart, die die beiden in ihrem jungen Leben noch nicht kennengelernt haben: Er hört zu. So gelingt am Ende ein erstaunlicher Perspektivwechsel, der zwar keine sofortige Lösung bringt, aber immerhin einen optimistischen Ausblick.
Das neue Stück von Ulli Haussmann lässt sich als Dialog der Generationen verstehen. Dass sie miteinander ins Gespräche kommen, steht für den Autor fest. Die Frage ist nur wie?
Auch das Ensemble ist natürlich generationenübergreifend. Neu am Combinale sind die Regisseurin Joanna Nowinski. Sie debütierte am Schauspielhaus Kiel und hat zuletzt an der Landesbühne in Esslingen inszeniert. Werner Klockow (als Herbert) kommt ebenfalls vom Theater in Kiel, wo er langjähriges Ensemblemitglied war, Jamila Boukhers und Milos Milovanovic aus Berlin und Hamburg spielen das junge Aussteigerpaar. Bewährt am Combinale sind für die Bühne Marcel Weinand und für die Kostüme Stephanie Viola Dalski mit dabei.
Premiere am 10. März
"Du kannst den Regenbogen nicht sehen, wenn es nicht irgendwo regnet." Stamm der Pueblos
Im März hat Ulli Haussmanns neues Stück Premiere. Die Proben zu "Narzissenweg 3" laufen gerade an. Haussmann hat das Stück geschrieben und begleitet als Autor den Probenprozess. Wir haben mit ihm über sein neuestes Werk geredet:
In einer ersten Fassung hieß dein Stück "Draußen". Das kann man vielschichtig interpretieren: Natur, Freiheit, ausbrechen, aber auch ausgestoßen sein, nicht dazu gehören. Warum hast du den Titel geändert, war das alles nicht mehr gemeint?
Doch, das ist immer noch genauso vieldeutig zu verstehen. Aber "Draußen" klingt doch etwas schmucklos, "Narzissenweg 3" ist irgendwie blumiger.
Was erzählt der Titel?
Vordergründig liegt im Narzissenweg 3 die Gartenlaube, in der Herbert, ein verschrobener alter Cowboy, seit Jahren nicht ganz legal wohnt. Aber die Narzisse ist eine symbolträchtige Pflanze, sie steht unter anderem für das starke Verlangen nach Zuwendung. Und in der griechischen Mythologie war Narziss der eitle und selbstverliebte Sohn eines Gottes, der sich in sein eigenes Spiegelbild in einem Fluss verliebte und darin ertrank. 
Ein griechisches Drama im Kleingarten?
Nicht wirklich. Aber das junge Pärchen, das eine feindliche Übernahme von Herberts Laube im Schilde führt, kreist schon sehr um sich selbst und die eigenen Befindlichkeiten. Brinja und Leon sind Kinder unserer Zeit. Der Zustand der Welt ist ihnen bewusst, sich aufzumachen, sie zu retten, ist aber doch ein bisschen viel verlangt. Sie flüchten sich in Herberts Laube und retten lieber sich selbst vor dieser Welt. Dass der Alte sich aus seiner Hütte nicht vertreiben lässt, passt nicht in ihren Plan. 
Ein Rentner und zwei Jugendliche - Generationenclash? Oder sind sich Babyboomer und GenZ doch gar nicht sooo fremd?
Vielleicht ist es einfacher, wenn die Elterngeneration mal nicht dabei ist. Herbert, so verschroben er auch ist, hat eine Eigenschaft, die Eltern von fast erwachsenen Kids oft abgeht (und da schließe ich mich durchaus ein): Herbert hört zu... und er hat keine Erwartungen an die beiden. Seine Mischung aus Lebenserfahrung und Kalendersprüchen führt nicht unbedingt zu vernünftigen Lösungen, aber immerhin zu ein paar Erkenntnissen... auf beiden Seiten. Und am Ende findet sich dann noch ein Weg zu einem Perspektivwechsel.
Wie kamst du darauf, über die verschiedenen Generationen zu schreiben?
Na ja, Herbert ist nicht viel älter als ich. Um einen schrägen Vogel wie ihn zu entwickeln, musste ich nur meine eigenen Unzulänglichkeiten mit einer Portion Fantasie durchmischen, fertig war der alte Kauz, der vermeintlich sein Leben gelebt hat. Ihn mit einer Generation zu konfrontieren, von der er glaubte, altersbedingt von ihr verschont zu bleiben, fand ich reizvoll.  So wurde Herbert wohl oder übel zum Katalysator für zwei junge Menschen, die sich in der Geschichte an dem störrischen Alten abarbeiten müssen. 
Und wie hast du das junge Pärchen angelegt?
Für die Figuren von Brinja und Leon habe ich Interviews mit verschiedenen jungen Leuten geführt, die sehr spannende Geschichten und überraschende Ein- und Ansichten zu erzählen hatten. Das war durch die Authentizität sehr inspirierend, und vor allem hat mich die Offenheit beeindruckt, die mir in diesen Gesprächen begegnet ist. 
Ein komplett neues Ensemble, eine junge Regisseurin, du selbst spielst nicht... Alles neu am Combinale?
Nicht alles, das Combinale-Team wird die Proben natürlich begleiten. Es ist auch nicht der erste Schritt in Richtung einer neuen Combinale-Generation, aber es ist natürlich äußerst spannend, eine ganze Produktion in die Hände von Künstler*innen zu geben, die teilweise im Alter unserer Kinder sind.
Verrate uns etwas über die neuen Gäste am Combinale.
Regie führt Joanna Nowinski, die 2021 am Schauspielhaus Kiel als Regisseurin debütierte und zuletzt an der Landesbühne in Esslingen inszeniert hat. Werner Klockow (Herbert) kommt ebenfalls vom Theater in Kiel, wo er Ensemblemitglied war, Jamila Boukhers und Milos Milovanovic aus Berlin und Hamburg spielen das junge Aussteigerpaar mit viel Energie. Ich bin davon überzeugt, dass wir da ein tolles Team mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten gefunden haben. 
Du bist als Autor bei den Probenarbeiten dabei. Entwickelt sich das Stück im Probenprozess noch weiter oder ist es fertig und wird jetzt noch auf die Bühne übertragen?
Immer denke ich, das Stück ist fertig, wenn die Proben beginnen... und ich liege immer falsch damit. Aber das ist für mich der spannendste Prozess, wenn die Kolleg*innen in den Proben mir das Stück erklären. Ich schreibe intuitiv, aus den Figuren heraus, da ist der Text am Ende oft klüger als der Autor. Manches wird mir erst bei den Proben klar, wenn sich der Text aus dem zweidimensionalen Format um mindestens eine neue Dimension erweitert.
Du hast in den letzten Jahren viel selbst geschrieben. Pro Jahr ein Stück - das ist ein ziemlich kreativer Output. Woher nimmst du deine Ideen?
Ich verrate es ungern, die meisten Ideen finden sich im Schellbruch. Auf den Spaziergängen rund um die Lagune flattern sie einem ins Hirn, zu Hause muss man sie nur noch in den Computer tippen. Aber das bleibt aber bitte unter uns! Na, und dann klaue ich natürlich auch Ideen aus Filmen, Büchern und aus dem realen Leben.
Wem empfiehlst du "Narzissenweg 3"? Oder anders gefragt, welches Publikum wünscht du dir für das Stück?
Ich wünsche mir viele junge Menschen in unserem Theater, aber auf jeden Fall auch deren Eltern und auch die Großeltern (die kommen im Stück vielleicht noch am besten weg). Ach, und ganz wichtig: alle Karl May Fans. Was es damit auf sich hat, wird im Stück schnell klar. Also natürlich sollen alle erstmal kommen, reden können wir danach ... und zuhören.

powered by Hamburg-Tourismus

Termine der Veranstaltung

Freitag, 10.03.2023
20:00 bis 22:00 Uhr
Samstag, 11.03.2023
20:00 bis 22:00 Uhr
Sonntag, 12.03.2023
18:00 bis 20:00 Uhr
Freitag, 17.03.2023
20:00 bis 22:00 Uhr
Sonntag, 19.03.2023
18:00 bis 20:00 Uhr
Freitag, 24.03.2023
20:00 bis 22:00 Uhr
Freitag, 31.03.2023
20:00 bis 22:00 Uhr

Ortsinformationen

Theater Combinale
Hüxstraße 115
23552 Lübeck
Weitere Empfehlungen