Finnlandbegeisterung in 599 klassischen Versen: "Finnland" von August Thieme (1808)

Donnerstag, 10.12.2020 18:00 bis 19:30 St. Annen-Museum

St. Annen-Museum
die LÜBECKER MUSEEN

Vortrag von Dr. Robert Schweitzer

Eine Anmeldung ist erforderlich (0451 122 4137).

„Fliehe, o Muse, dies Land!“ warnt der imaginäre Freund des Dichters gleich zu Anfang eines imaginären Dialogs in 599 klassischen Versen: er versteht nicht, wie der Verfasser sich auf dieses Land im Norden einlassen konnte. August Thieme – er arbeitet als Lehrer im damals (und heute) russischen Wiborg   entkräftet alle Vorurteile, die noch heute über Finnland kursieren; das gipfelt in den Versen:
„Du, der du südliche Auen geschaut, dich wollte ich führen 
Hierher verbundenen Augs, dann plötzlich dir lösen die Binde 
Und in welcherlei Land dich würdest du wähnen, wenn weithin
Ruhet die Flur im heiligen Schimmer der Mitternachtsonne…“ –
Aber Thieme schwärmt nicht nur, er liefert beste landes- und volkskundliche Beschreibungen, denn er hat das Land als Schulinspektor der deutschen Kreisschulen bereist. Aber wieso deutsche Schulen in diesem seit 1710/1743 russischen Teil Finnlands zu Zeiten Napoleons? Neben facettenreichen Schilderungen Finnlands im Deutsch der Goethezeit bietet der Vortrag einen Blick auf eine Zeit, in der deutsche Kultur Finnlandpatriotismus inspirieren sollte.
Als Zar Peter der Große nämlich die Festung Wiborg im Jahre 1710 zum Schutz seiner neuen Hauptstadt St.Peterburg eroberte hatte, behandelte er die Stadt mit ihren vielen deutschsprachigen Kaufleuten und Handwerkern ähnlich zuvorkommend wie die deutsch geprägten Provinzen Estland und Livland. So war es auch naheliegend, dass Zar Alexander I. bei seiner Bildungsreform von 1802 Wiborg der deutschsprachigen Universität Dorpat (estn. Tartu) unterstellte. So gehörte das kleine Stück Finnland zu dem Kreis der deutsch geprägten Autonomien im Nordwesten des Russischen Reiches. Dies blieb aber Episode: 1809 eroberte Russland ganz Finnland, gewährte ihm Autonomie mit Schwedisch als Amtssprache und gliederte ihm die bis dahin eroberten Gebiete wieder an.

Thiemes Gedicht ist ein einer Faksimilie-Ausgabe mit Übersetzung in die drei anderen Sprachen des alten Wiborg neu erschienen; unter www.aue-stiftung.org und beim Vortrag kann man die Publikation einsehen.

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Termine der Veranstaltung

Donnerstag, 10.12.2020
18:00 bis 19:30 Uhr

Ortsinformationen

St. Annen-Museum
St.-Annen-Straße 15
23552 Lübeck
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