Ethnische Konflikte auf dem Balkan und in Israel/Palästina

Dienstag, 20.09.2022 19:00 Bürgerhaus Bad Oldesloe

woche
Interkulturelle Woche

Zwei junge Wissenschaftlerinnen, die an der Wasatia Graduate School der Europa-Universität Flensburg promovieren, berichten über ihre eigenen Forschungsergebnisse aus ihren Heimatländern.
Die in Tirana (Albanien) geborene Tea Odaj erforscht, welche Narrative in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens zur nationalen Identifikation und zur Abgrenzung von benachbarten Ethnien herangezogen werden. Während Serbien eine Einheitspolitik durchsetzen wollte, kämpften die benachbarten Länder darum, ihren nationalen Geist zu bewahren. Diese Dynamik und die Kriege, die auf die Auflösung des jugoslawischen Regimes folgten, belasteten den jeweiligen nationalen Aufbauprozess. Darüber hinaus wurde die Demokratisierung der Westbalkan-Länder auf instabilem politischem Boden durchgeführt, dem es an Ressourcen und Instrumenten mangelte. Dies ist unter anderem einer der Gründe, warum diese Länder noch nicht in die EU aufgenommen wurden. In der heutigen Zeit stehen die Länder des Westbalkans vor großen Herausforderungen in Bezug auf die Demokratie und ein friedliches Zusammenleben in der Region. Frau Odajs Forschungsansatz beruht nicht auf der Un-tersuchung von ökonomischen Prozessen und sozialen Ressourcen, sondern sie stellt die Frage: „Wie stärken alternative historische Perspektiven und Mythen in literarischen Texten die nationale politische Agenda jedes Westbalkanlandes?“

Die Israelin Anna Lichinitzer untersucht in ihrer Forschungsarbeit einen Teilaspekt der jüdischen Kolonisation der Negev-Wüste und deren Einfluss auf die dortige indigene Bevölkerung - die Beduinen. Der Staat Israel will nämlich die beduinischen Nomaden sesshaft machen und richtet für sie gegen ihren heftigen Widerstand Städte ein und siedelt sie dorthin um, dadurch werden teilweise rivalisierende Beduinenstämme zu direkter unfriedlicher Nachbarschaft „verurteilt“. Eine dieser Städte ist Hura, 1989 gegründet und jetzt etwa so groß wie Bad Oldesloe. Wegen struktureller Armut und aus Stammesfehden heraus stieg die Kriminalität an und es wur-den deshalb in dieser Stadt 2013 Überwachungskameras im öffentlichen Raum eingeführt. In Anbetracht der langen Geschichte des jüdischen Kolonialismus im Negev, hätte man annehmen können, dass die neue Überwachungstechnik den Beduinen gegen ihren Willen aufgezwungen wurde. Ausführliche Interviews mit Einwohnern von Hura durch Frau Lichinitzer zeigen jedoch, dass die Gemeinde und die Stammesbehörden aktive Akteure bei der Entscheidung über die Installation und den Standort der Überwachungskameras waren. Auch die Interpretationen der übertragenen Bilder erfolgt durch Araber und nicht durch Juden. Angesichts der konfliktreichen Beziehungen der Beduinenbevölkerung zu den israelischen Staatsbehörden argumentiert Lichinitzer, dass die Kameras die Beduinen von Hura zwar einer neuen Überwachungsebene unterstellten, ihre Installation aber auch als Reaktion auf die anhaltende Vernachlässigung des Lebens der Beduinen verstanden werden könnte.

Beide Vorträge werden als Dialog zwischen den Referen-tinnen auf Englisch gehalten. Die Hauptaussagen werden übersetzt.

 

Preis: Eintritt frei / kostenlos

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Termine der Veranstaltung

Dienstag, 20.09.2022
19:00

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Bürgerhaus Bad Oldesloe
Mühlenstraße 22
23843 Bad Oldesloe
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