Stadt stellt Konzept für Schulbau und Schulsanierung vor

Schulbau und Schulsanierung sind ein großes Thema für alle Städte. Auch die Landeshauptstadt Kiel muss neue Schulplätze schaffen und gleichzeitig Schulen für die Digitalisierung ausstatten und alte Gebäude sanieren. Mit einem neuen Konzept möchte die Stadt zukünftig Schulbau und Schulsanierung weiterentwickeln und optimieren. 

© Lorenzo Cadaro/ pixabay.com
© Lorenzo Cadaro/ pixabay.com

Das umfangreiche Konzept "Kiel macht Schule" enthält zahlreiche Neuerungen zur Organisation der städtischen Immobilienwirtschaft, zur Erfassung des Sanierungsbedarfs, zur Priorisierung von Projekten und zur Digitalisierung der Schulen sowie Bausteine zur Verfahrensbeschleunigung und Erhöhung der Verlässlichkeit, dass Schulen wie im geplanten Zeitrahmen gebaut und saniert werden. Es wird im Februar den kommunalpolitischen Gremien vorgelegt.

Die Landeshauptstadt Kiel orientiert sich mit dem neuen Konzept in Teilen am Beispiel Schulbau Hamburg. Zahlreiche Ideen aus Hamburg sollen in Kiel übernommen werden. Die städtische Immobilienwirtschaft hat ihre bisherige Praxis, Strukturen und Abläufe überprüft und Optimierungspotenziale sowohl in der Aufbauorganisation als auch in der Ablauforganisation identifiziert. Zur Umsetzung aller Ideen werden zusätzliche Stellen im Amt geschaffen.

Konzept "Kiel macht Schule" als Grundlage für Schulbau und Schulsanierung

Für Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Baudezernentin Doris Grondke ist das Konzept "Kiel macht Schule" eine ganz wesentliche Grundlage, um den großen schulbaulichen Herausforderungen künftig noch besser und strategischer begegnen zu können. Kiel hat etwa 33.000 Schüler*innen sowie 69 Schulstandorte mit 424 Einzelgebäuden und fast 2.000 Klassen- und Fachräumen inklusive Regionalen Berufsbildungszentren und Sporthallen. 

OB Ulf Kämpfer: "Schulbau und Schulsanierung haben in den letzten Jahren bereits deutlich Fahrt aufgenommen. Besonders der Abbau des über Jahrzehnte aufgelaufenen Sanierungsstaus ist ein Kraftakt. Im neuen Konzept stecken viel Engagement und sehr gute Ansätze, die uns bei der Bewältigung dieser Herkulesaufgabe unterstützen werden."

Baudezernentin Doris Grondke erhofft sich viel vom neuen Konzept: "Im Baudezernat liegt ein großer Fokus auf dem Schulbau. Um den Herausforderungen des Schulbaus strategischer und effizienter zu begegnen, richtet sich die Immobilienwirtschaft in diesem wichtigen Aufgabenbereich neu aus. Nach intensiver einjähriger Vorarbeit haben wir dieses Konzept erarbeitet, das einerseits die Sanierungsbedarfe einzelner Schulen identifiziert und andererseits die Abläufe in der Planung und in der Bauphase strafft, um effizienter zu bauen und zu sanieren. Ich danke den Mitarbeiter*innen dafür, dass sie so engagiert am Konzept mitgearbeitet haben."

Als Bildungsdezernentin ist auch Bürgermeisterin Renate Treutel sehr daran gelegen, dass die Kieler Schulen in einem möglichst guten Bauzustand sind und dass bei steigenden Schülerzahlen genügend Schulplätze zur Verfügung stehen. "Aus der Schulentwicklungsplanung entstehen immer wieder neue Anforderungen an eine zukunftsfähige Schullandschaft. Zudem zeigen bisherige Beispiele von äußerst gelungener Schulsanierung, wie Schule zum attraktiven Lebens- und Lernort für junge Menschen in unserer Stadt wird. Nun entsteht diese Perspektive für alle Schüler*innen sowie Lehr- und Fachkräfte an Kieler Schulen."

Neustrukturierungen beim Bildungsbau

Die städtische Immobilienwirtschaft ist zuständig für Planung, Bau und Unterhaltung der städtischen Liegenschaften und Gebäude. In der Struktur des städtischen Amtes ist der Bereich Bildungsbau ebenso eine eigene Abteilung wie der Bereich Kommunalbau. Für den Bildungsbau schlägt das Konzept Neustrukturierungen vor. So will sich das Amt künftig bei großen Projekten auf die Projektleitung konzentrieren und Externe mit der Projektsteuerung beauftragen. Auch der Einsatz von Generalunternehmen (für den Bau) oder Totalunternehmen (für Planung und Bau) ist möglich. Bei Vergaben könnten zu vergebende Aufträge gebündelt werden. 

Intern soll das Projektmanagement ausgebaut und gestärkt werden. Für eine Entlastung der Mitarbeiter sorgt eine interne Umverteilung von Aufgaben. So sollten gelernte Verwaltungskräfte zentrale Aufgaben und die Vergabeverfahren übernehmen. Die Architekt*innen und Ingenieur des Amtes könnten sich dann besser auf ihr "Kerngeschäft" konzentrieren. Derzeit sucht die Stadt mehrere Fachkräfte. Neue Software für BIM (Building Information Modeling) soll angeschafft werden

Auch beim Facilitymanagement kann ein neues Computerprogramm die Arbeit modernisieren und erleichtern. Für diesen Bereich schlägt das Konzept in Anlehnung an Schulbau Hamburg die Einführung der Zwischenebene Objektmanagement vor. Das Objektmanagement kümmert sich um die objektbezogene Koordination und die Nutzerbetreuung, während die Hausmeister weiterhin für operative Aufgaben wie Reparaturen und Wartungen verantwortlich sind. In Hamburg wird außerdem auf eine verstärkte Präsenz in den Schulen durch eine Doppelbesetzung bei den Hausmeistern gesetzt.

Einsatz neuer Verfahren als Bewertungsgrundlage

Die Änderungen beim Personal der Immobilienwirtschaft sind ein zentraler Baustein des Konzepts. Aber ebenso wichtig sind neue Verfahren, um den Zustand der Schulen zu bewerten und Aufgaben zu priorisieren. Das gilt schon für das Schulbauprogramm 2.0 ab 2022. Dabei geht es um Fortsetzungsmaßnahmen aus dem aktuellen Schulbauprogramm, um Neu- und Erweiterungsbauten nach Bedarfsermittlung des Amts für Schulen und um Sanierungsmaßnahmen nach Priorisierung der Immobilienwirtschaft.

In den Vorarbeiten für das Schulbauprogramm 2.0 wurden bereits Baumöglichkeiten an Schulen mit Raumdefiziten sowie Standorte für neue Sporthallen geprüft. Für die Erfassung des Sanierungsbedarfs oder sogar Sanierungsstaus hat die Immobilienwirtschaft in Anlehnung an Hamburg Zustandsklassen für die einzelnen Schulgebäude definiert. Die Skala reicht von Stufe 0 wie Laufende Bauunterhaltung über 1 wie Einfache Sanierung, 2 wie Teilsanierung und 3 wie Komplettsanierung bis zur Stufe 4 wie Neubau zur Behebung des Sanierungsstaus. 

Die Zustandsklassen sind mit entsprechenden Sanierungskosten je Quadratmeter hinterlegt. So lassen sich schnell grobe Kostenrahmen ermitteln. Von den insgesamt 424 Schulgebäuden (inklusive Nebengebäuden) in Kiel fallen 27 auf 10 Liegenschaften in die Zustandsklasse 4 und 103 auf 35 Liegenschaften in die Zustandsklasse 3. 

Um zu priorisieren, welche Schulgebäude saniert oder neugebaut werden, hat die Immobilienwirtschaft eine Grobeinteilung in vier Kategorien (In Planung, Priorität 1, Priorität 2, Folgende) vorgenommen. Dies wird als erforderlich gesehen, denn nicht alle Sanierungsbedarfe können innerhalb des Zeitrahmens eines Schulbauprogramms berücksichtigt werden. 

Von den Schulen mit Gebäuden in der Zustandsklasse 4 sind sieben bereits "In Planung": Friedrich-Junge-Schulen (Schreventeich), Hans-Geiger-Gymnasium, Schulzentrum Elmschenhagen, Max-Planck-Schule, ehemalige Jahnschule, Klaus-Groth-Schule und Max-Tau-Schule. Dort laufen bereits Sanierungen oder es wurde die vor dem Bau liegende Phase 0 eingeleitet. Die ebenfalls stark betroffene Reventlouschule wird im Schulbauprogramm 2.0 priorisiert. 

Neubauten sind erforderlich als Ersatz für die Werkhalle am RBZ Schützenpark sowie die Holsteinhalle.

Diverse Schulen mit Gebäuden der Zustandsklasse 3 sind den Kategorien Priorität 1 oder Priorität 2 zugeordnet und müssen in den kommenden Schulbauprogrammen priorisiert werden. Eine besondere Stellung haben dabei die Schroeder-Schulen, von denen 13 unter Denkmalschutz stehen 

Auch beim Thema Digitalisierung gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Schulgebäuden. An vielen Kieler Schulen muss zunächst die Stromversorgung umfassend verbessert oder erneuert werden, bevor der Ausbau der Datennetze beginnen kann. In einigen Fällen ist das gar nicht möglich. Die WLAN-Versorgung soll an allen Schulen bis Ende 2024 sichergestellt sein. An einzelnen Schulen ist die vollständige LAN-Ausstattung aber erst später fertig.

Mit der neuen Klassifizierung, Kategorisierung und Priorisierung will die Immobilienwirtschaft die Schulbaumaßnahmen in eine nachvollziehbare Struktur überführen. Das sorgt für Transparenz und hilft auch bei der Verteilung der Finanzmittel auf die einzelnen Bauprojekte. Zudem kann so rechtzeitig geplant werden, ob Schulklassen wegen der Sanierungsarbeiten vorübergehend in Container oder gar ein anderes Schulgebäude umziehen müssen. Solche Interimslösungen sollen zukünftig rechtzeitig terminiert werden, damit die Bauarbeiten selbst dann nicht verzögert werden.

Einen gewichtigen Faktor für eine Beschleunigung von Bauvorhaben sieht die Immobilienwirtschaft in sicheren mehrjährigen Finanzkorridoren für Projekte sowie in schnelleren Genehmigungen und Freigaben der Mittel. 

Quelle: Landeshauptstadt Kiel

Weitere Empfehlungen