Sommerausstellungen in der Stadtgalerie Kiel

In den Sommermonaten 2021 werden in der Stadtgalerie drei Ausstellungen präsentiert: "Jim Marshall ́s 1967 Rock, Revolution and the Summer of Love in San Francisco" zeigt Bilder einer Musikfotografie-Legende. In der Heinreich-Ehmsen Stiftung kann man Grafiken aus dem Werkbestand betrachten. Der Prima Kunst Container zeigt Verena Bachls "Wave Fragment", ein Spiel mit Licht und Wind.

Anti-Kriegs-Demonstration in der Haight Street, San Francisco 1967, © Jim Marshall Photography LLC
Anti-Kriegs-Demonstration in der Haight Street, San Francisco 1967, © Jim Marshall Photography LLC

Jim Marshall ́s 1967 Rock, Revolution and the Summer of Love in San Francisco

1967 hielt Jim Marshall, eine Ikone der Musikfotografie, einige der bedeutendsten kulturellen und gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres fest, welche die Identität San Franciscos für immer definieren sollten.

Marshall besaß sozusagen eine Generalvollmacht, um die Geschichte noch während des Entstehungsprozesses zu dokumentieren. Er stand neben Allen Ginsberg beim Human Be-In im Golden Gate Park, hielt Hippies im symbolträchtigen Viertel Haight Ashbury fest, zeichnete Anti-Vietnamkriegs-Demonstranten auf und fotografierte Hunderte von Bands und Konzertbesuchern.

Die Ausstellung "Jim Marshall‘s 1967" zeigt eine Auswahl von 82 Bildern aus den Tausenden, die Marshall in diesem rasanten Jahr aufgenommen hat. In chronologischer Reihenfolge können die Besucher den Künstler dabei begleiten, wie er Motive für Plattencover von Jefferson Airplane fotografiert, sich zu Hause mit Janis Joplin tummelt, inmitten einer Masse von Hell's Angels Fotos macht und Jimi Hendrix auf der Bühne unglaublich nahekommt.

Marshall wurde von Musikern aller Stilrichtungen innig geliebt und respektiert. Er verbrachte sein Leben damit, Jazz, Folk und schließlich Rock’n‘Roll zu dokumentieren.

Er lebte und arbeitete in San Francisco, als kalifornische Bands wie Moby Grape, Buffalo Springfield, The Charlatans, Jefferson Airplane und Grateful Dead an der Spitze einer kulturellen Bewegung standen, die 1967 ihre Blütezeit hatte.

Marshalls Karriere erstreckte sich über 50 Jahre, in denen er Hunderte von legendären Bildern schuf, die sich im öffentlichen Bewusstsein festgesetzt haben.

Seine Fotografien erschienen auf den Covern von über 500 Alben und fingen ikonenhafte und ehrliche Porträts von Janis Joplin, Jimi Hendrix, Johnny Cash, Neil Young, Bob Dylan, den Allman Brothers, Led Zeppelin, den Grateful Dead, den Beatles und unzähligen anderen ein. In einem Artikel der New York Times aus dem Jahr 2014 bezeichnete die Star-Fotografin Annie Leibovitz Marshall als "den Rock’n‘Roll-Fotografen".

Die Ausstellung läuft bis 29. August 2021.

Heinrich-Ehmsen-Stiftung: Werkbestand. Die Grafiken. Teil 2

Grafiken der gewaltsamen Zerschlagung der Münchner Räterepublik bildeten den Abschluss der ersten Etappe der vierteiligen Gesamtschau des Werkbestandes der Heinrich-Ehmsen-Stiftung.

Der zeichnerische Stil, in dem die unmittelbar folgende künstlerische Aufarbeitung kulminiert, bleibt für die große Fülle kritischer Sittenbilder, welche im Anschluss die gesamte Epoche der Weimarer Republik begleiten und der zweiten Hälfte der grafischen Bestandsübersicht zugeordnet sind, verbindlich.

Schauplatz ist die pulsierende Großstadt: Bars, Varieté, Zirkus, Bordelle, Ring- und Boxkampf. In das Zentrum der sich auf wenige Linien und die notwendigsten Gegenstände reduzierenden Bildräume seiner zeichnerischen gesellschaftlichen Typologie rückt Heinrich Ehmsen karikaturesk verzerrte Personenstudien; signifikant ist die z.T. vielfache Wiederholung einzelner Szenerien, Charaktere und Personengruppen.

Ehmsens Themen und Motive entsprechen denen der kritisch-realistischen veristischen Maler der 1920er Jahre wie Otto Dix, George Grosz oder Rudolf Schlichter: Alkoholismus, Invalidität, Vergnügungssucht, Amüsierbetrieb, Prostitution, Armut und Dekadenz.

Eine Ausnahme sind die Europa-Bilder, sie sind auf einen direkten Kontakt mit Friedrich Peter Drömmer zurückzuführen. Visionäre Architektur ist Ausgangspunkt der konstruktivistisch farbig-flächigen Kompositionen und findet ihr Vorbild in den Stadtlandschaften des Kieler Malers, der Ehmsen 1923 in München besuchte.

Die Auseinandersetzung mit sozialkritischen und politischen Kontexten endet abrupt mit der Verhaftung 1933 durch die Gestapo und einer zweimonatigen Schutzhaft. In der Ausstellung vertretene Landschafts- und Alltagsstudien, die Ehmsen während einer neunmonatigen Reise durch die UdSSR (1932) und auf vorausgegangenen Fahrten nach Südfrankreich und Capri anfertigte, werden in dieser Zeit zu Gemälden ausgearbeitet.

Das Aquarell "Adlerfamilie" entstand während sich Ehmsen nach seiner Rehabilitierung von 1935 bis 1939 als Dekorationsmaler für das Reichsluftfahrtministerium mit Aufträgen zur Ausgestaltung von Flughäfen und Kasernen finanzierte.

Von einer Studienreise nach Hallig Hooge stammen zehn Bleistiftzeichnungen, ein Aufenthalt in Derna (Lybien), durch ein Aquarell in der Ausstellung belegt, wird im September 1939 mit Ausbruch des Krieges abgebrochen, einen Monat später stellt Ehmsen erfolgreich den Antrag zur Aufnahme in die Reichskulturkammer.

Als Mitglied der dem Oberkommando der Wehrmacht unterstehenden "Staffel der bildenden Künstler“ entstehen zwischen 1942 und 1944 Zeichnungen auf der Krim-Halbinsel und an der Seine, Aquarelle im niederländischen Ijmuiden und die Skizze "Lastensegler bei Labourg les Bains".

Die Ausstellung läuft bis 28. November 2021.

Verena Bachl: Wave Fragments im Prima Kunst Container

Wave Fragment ist eine kinetische Skulptur, die durch Lichtspiegelungen das Wirken von Windströmungen aufzeigt, inspiriert von fließenden Bewegungsmustern des Wassers. Das Leitmotiv der Arbeit stellt die Spiegelung von Licht auf bewegter Wasseroberfläche durch Luftströmungen dar und ist in seiner Darstellung angelehnt an digitale Simulationen und Visualisierungen von Partikelströmungen und numerischer Strömungsmechanik.

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Wave Fragment nutzt relevante Parameter dieser Berechnungen als entscheidende Faktoren um generative Bildnisse zu erschaffen. Die dabei entstehenden Strömungsmuster veranschaulichen wechselwirkende Kräfte, verursacht durch die chaotische Natur dieser Phänomene selbst auf immersive Art und Weise.

Obwohl die Bandbreite an Konfigurationen vielfältig und variationsreich ist, bleiben die Strömungsbilder vergleichbar und ihre Entstehung ablesbar, bedingt durch die gezielte Ansteuerung externer Windquellen um dem Kunstwerk Leben einzuhauchen.

Die Ausstellung läuft bis 29. August 2021.

Quelle: Stadtgalerie Kiel

Ortsinformationen

Stadtgalerie Kiel
Andreas-Gayk-Straße 31
24103 Kiel
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