Digitale Ringvorlesung "Recht feministisch"

Männer und Frauen sind gleichberechtigt – so steht es zumindest in Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes. Doch in der juristischen Praxis werden Frauen durch Gesetze aus dem Arbeits-, Steuer- oder Familienrecht oft benachteiligt, zum Beispiel finanziell durch das Ehegattensplitting.

Justitia, © Pixabay.com
Justitia, © Pixabay.com
Wann? 11. und 25. Mai, 8. und 22. Juni, 6. Juli 2021, jeweils 18.00 bis 19.30 Uhr
Wo? Online
Anmeldung: unter recht-feministisch-kiel@posteo.de

Die digitale Ringvorlesung "Recht feministisch" will für feministische Standpunkte in der Rechtswissenschaft sensibilisieren. Sie wird von Studentinnen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) organisiert.

Mit den Online-Vorträgen wollen sie nicht nur zu einer ausgewogeneren rechtswissenschaftlichen Diskussion beitragen, sondern auch das Bewusstsein für Frauen in den Rechtswissenschaften fördern. Denn noch immer gibt es hier deutlich weniger Professorinnen, obwohl inzwischen mehr Frauen als Männer Jura studieren.

Die Vorlesungsreihe richtet sich an alle Interessierten, der Zugangslink ist unter recht-feministisch-kiel@posteo.de erhältlich.

Nach Angaben des Deutschen Juristinnenbundes liegt der Anteil weiblich besetzter juristischer Lehrstühle derzeit bei nur rund 15 Prozent, wenngleich seit über zehn Jahren mehr Frauen als Männer Jura studieren. In Kiel ist der Anteil mit sechs von 21 Lehrstühlen, also rund 29 Prozent, fast doppelt so hoch. Doch auch hier sind rund 57 Prozent der Studierenden weiblich (Wintersemester 2019/20).

"Viele Frauen machen hervorragende Examina. Es liegt also nicht an der fachlichen Kompetenz, dass sich nur wenige für den Weg in die Wissenschaft entscheiden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie diese, die Jurastudierende mit erfahrenen Rechtswissenschaftlerinnen zusammenbringen", sagt Nele Matz-Lück, selbst Professorin für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Völkerrecht. "Dass die Initiative von Studentinnen kommt, freut mich besonders", ergänzt die CAU-Vizepräsidentin für Internationales, Nachwuchs, Gleichstellung und Diversität.

"Das Recht selbst hat kein Geschlecht, aber es prägt unsere Gesellschaft. Mit unserer Vortragsreihe wollen wir zu einem rechtswissenschaftlichen Diskurs beitragen, der die verschiedenen Perspektiven unserer Gesellschaft wirklich abbildet", sagt Organisatorin Hannah Sophie Strewe. Die 23-Jährige studiert im achten Semester Jura an der CAU. Sie wechselte erst im Verlauf ihres Studiums im vergangenen Jahr nach Kiel und merkte schnell: "Hier herrscht viel frischer Wind und Offenheit für andere Fragestellungen – das wollten wir aufgreifen."

Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Alea Kobbe stellte sie ein Vortragsprogramm aus den Bereichen Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht zusammen und fragte mögliche Referentinnen aus ganz Deutschland an. "Wir haben Themen ausgesucht, zu denen wir selbst mehr wissen wollen und die über die klassische akademische Lehre hinausgehen", sagt Strewe.

Das Vortragsprogramm reicht von sexualisierter Gewalt im Völkerstrafrecht über Geschlechterungleichheiten im Steuerrecht bis hin zum in der Mehrheit männlich besetzten Bundestag, der über die Zulassung oder die Änderung von Gesetzen beschließt. Auch das Jurastudium selbst wird kritisch behandelt – so werden zum Beispiel in der Arbeit mit juristischen Fallbeispielen häufig überholte Rollenbilder reproduziert.

Unterstützung bekamen die beiden Studentinnen von Susanne Gössl, Professorin für Bürgerliches Recht und Digitalisierung des deutschen, ausländischen und internationalen Privatrechts an der CAU. Sie engagiert sich seit langem für Frauen auf dem Weg in die wissenschaftliche Karriere und bietet mit dem "Justitia-Programm" ein Netzwerk für Studentinnen, Doktorandinnen und Habilitandinnen zum gegenseitigen Austausch an.

Die Vortragsveranstaltung wird vom Verein Alumni und Freunde der CAU e.V. gefördert.

Die Themen der Ringvorlesung im Überblick:

  • 11. Mai 2021: Queere Familien und heteronormatives Abstammungsrecht 
    Theresa Richarz, Universität Hildesheim
  • 25. Mai 2021: Sexualisierte und geschlechterspezifische Gewalt im Völkerstrafrecht 
    Susann Aboueldahab, Universität Göttingen
  • 8. Juni 2021: Wie geschlechtergerecht ist das Steuerrecht? 
    Dr. Ulrike Spangenberg, Institut für gleichstellungsorientierte Prozesse und Strategien 
  • 22. Juni 2021: Sexualstrafrecht in Deutschland. Was ist strafbar – und was nicht?
    Professorin Elisa Hoven, Universität Leipzig 
  • 6. Juli 2021: Parität in Parlamenten 
    N.N

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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