PhysioMobil: Kostenlose Physiotherapie für alle
Ratgeber Gesundheit & Lebenshilfe
Das PhysioMobil bringt kostenlose Gesundheitsvorsorge direkt zu mittellosen Menschen in Kiel und Umgebung. Die gemeinnützige Organisation bietet präventive Behandlung, Beratung und Massage, ohne bürokratische Hürden und Nachweise. Als erstes Projekt dieser Art in Deutschland schließt es eine wichtige Lücke im Gesundheitssystem.
Für wen ist das Angebot gedacht?
Das PhysioMobil richtet sich an Menschen ohne Krankenversicherung, Papiere oder festes Obdach. Auch Personen mit laufendem Asylantrag, ohne Bleiberecht oder Geld für physiotherapeutische Hilfe können die Angebote nutzen. Die behandelten Menschen vor Ort müssen keine Nachweise vorzeigen, die Organisation verzichtet bewusst auf bürokratische Hürden. Alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht und geben keine Daten an Dritte weiter.
Das Team arbeitet mit verschiedensten Einrichtungen für mittellose Menschen zusammen, sodass über die Jahre mehrere hundert Menschen bereits versorgt werden konnten. Die Verlässlichkeit liegt bei den Hilfsorganisationen, nicht beim Klientel. Regelmäßige Termine an mehreren festen Orten machen die Versorgung planbar. Neben der physiotherapeutischen Behandlung und Massage erhaltet die behandelten Menschen präventive Gesundheitsvorsorge und individuelle Beratung. Das mobile Konzept orientiert sich an bewährten Modellen wie Arztmobilen oder Duschbussen.
Das PhysioMobil engagiert sich darüber hinaus gesellschaftspolitisch für mittellose Menschen. Die Organisation veranstaltet Ausstellungen, Wellnessabende, Vorträge und Infostände. Ziel ist es, das Wissen zu Armut, Schwachstellen im Gesundheitssystem sowie Papier- und Krankenversicherungslosigkeit in der breiten Gesellschaft zu erweitern.
Fina Steen, die Gründerin des Vereins, war lange auf der Suche nach einem geeigneten Gefährt mit dem sich ihr geplantes Vorhaben umsetzten lies. Sie ist selbst gelernte Physiotherapeutin, die als Selbstständige nur selbstzahlende und privatversichtere Kunden behandeln durfte und daran hatte sie nicht wirklich ihren Traum gefunden. Deshalb kam sie auf die Idee, sich um die Menschen zu kümmern, die keine Krankenversicherung haben, weswegen es den Verein inzwischen seit mehr als 3 Jahren gibt.
Warum braucht es das PhysioMobil?
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit dem Klick auf „Beitrag anzeigen“ akzeptieren Sie die Datenverarbeitung durch Instagram. Mehr Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung .
In Deutschland gilt theoretisch die Krankenversicherungspflicht, praktisch sieht es anders aus. Viele Menschen haben aus unterschiedlichsten Gründen keine Versicherung oder sind nicht ausreichend abgesichert. Andere können sich physiotherapeutische Hilfe schlicht nicht leisten. Laut Menschenrechtscharta hat jeder das Recht auf ärztliche Versorgung, Gesundheit und Wohl. Die Umsetzung liegt derzeit, leider, vielfach bei gemeinnützigen Organisationen,
Das PhysioMobil ist als erstes Projekt seiner Art in Deutschland eine schnelle Lösung für chronische Probleme. Es handelt sich bei dem Mobil um einen alten Krankentransporter des ASB, der durch Spenden umgerüstet wurde. Die mobile Hilfe soll aktiv bleiben, bis die Ursachen von Mittellosigkeit beseitigt sind und das Projekt macht deutlich, wo das System versagt.
Das Konzept der aufsuchenden, mobilen Versorgung hat sich inzwischen auch andernorts bewährt. Arztmobile in Hamburg, Kältebusse in verschiedenen Städten, das Zahnmobil in Kiel oder Duschbusse in Hamburg und Hannover zeigen, wie es geht. Die Organisation arbeitet eng mit bestehenden Hilfseinrichtungen zusammen. Diese Vernetzung ermöglicht umfassende Unterstützung für Menschen in prekären Situationen. Das PhysioMobil schließt eine Lücke, die das reguläre Gesundheitssystem offen lässt. Bis strukturelle Veränderungen greifen, bietet es konkrete Hilfe für Betroffene.
Aktuell ist das Projekt durch die spendenbasierte Finanzierung nur noch bis Ende Dezember gesichert und befindet sich zudem derzeit auf der Suche in und um Kiel, um das Mobil abstellen zu können. Man kann nur hoffen, dass sich Spenderinnen und Spender finden, die dieses Projekt vor dem Aus bewahren, denn ein Verlust wäre ein herber Schlag für die ohnehin schon angespannte soziale Lage in den Kieler Brennpunkten.
Ihr sucht weitere Informationen zu sozialen Projekten in Norddeutschland? Wir von kiel-magazin.de berichten regelmäßig über Initiativen, die einen Unterschied machen.