Kiel und die UN-Nachhaltigkeitsziele

Die Landeshauptstadt Kiel bekennt sich zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen. Als weltoffene Großstadt am Meer verbindet Kiel globale Verantwortung mit lokalem Handeln.

Bäume von unten fotografiert
Bäume, © pixabay.com / Valentin

Was steckt hinter den 17 Zielen?

Die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, bilden den Rahmen der Agenda 2030. Sie reichen von Armutsbekämpfung, Gesundheit und Bildung über menschenwürdige Arbeit, nachhaltige Städte und Klimaschutz bis zu Leben unter Wasser und Leben an Land. Auch Frieden, starke Institutionen und weltweite Partnerschaften gehören dazu.

Die ersten Ziele betreffen keine Armut, keinen Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung sowie Geschlechtergleichheit. Danach folgen sauberes Wasser, bezahlbare und saubere Energie, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum sowie Industrie, Innovation und Infrastruktur. Weniger Ungleichheiten ist das zehnte Ziel.

Die Ziele 11 bis 17 widmen sich nachhaltigen Städten, nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion sowie dem Klimaschutz. Dazu kommen der Schutz des Lebens unter Wasser und an Land, Frieden und Gerechtigkeit sowie starke Institutionen. Das 17. Ziel setzt auf Partnerschaften, um die übrigen Ziele zu erreichen.

Wie berichtet Kiel über Fortschritte?

Kiel zeigt Beispiele dafür, wie die Stadt die Nachhaltigkeitsziele in Verwaltung und Stadtleben aufgreift. Der Voluntary Local Review, kurz VLR, dokumentiert Fortschritte und Aktivitäten. Die Stadt veröffentlicht den Bericht im zweijährigen Rhythmus und reicht ihn bei den Vereinten Nationen ein.

Der zweite Kieler VLR wurde 2024 vorgestellt. Für 2026 kündigte die Stadt den dritten Bericht an, der erstmals alle 17 Ziele umfassend betrachten soll. Themen wie Klimaschutz, Mobilität, nachhaltiges Wohnen und soziale Gerechtigkeit werden darin gemeinsam sichtbar.

Wie sollen alle in Kiel teilhaben?

Die Stadt will soziale Ungleichheiten verringern und die Lebensqualität verbessern. Der jährliche Sozialbericht liefert dafür wichtige Daten, denn Armut ist ungleich über das Stadtgebiet verteilt. Zu den Handlungsfeldern gehören Kinderarmut, Arbeitslosigkeit und Wohnungslosigkeit sowie der Zugang zu Bildung und gesellschaftlichem Leben.

Für Familien mit wenig Geld bietet die Kiel Karte beispielsweise Zuschüsse zum Schulmittagessen und zu Lernmaterialien. Auch Kosten für Kita und Schulausflüge, Klassenfahrten sowie Mitgliedsbeiträge für Sport, Kultur und Freizeit können übernommen werden. So sollen mehr Kinder am sozialen und kulturellen Leben teilhaben können.

Kind umarmt einen Baum der mit einem grünen Moosherz besetzt ist
Natur- und Umweltschutz, © iStock.com / Nastco

Was tut Kiel gegen Hunger?

Ziel 2 setzt sich für ausreichende, sichere und nährstoffreiche Lebensmittel sowie für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ein. In Kiel gehören dazu Essensausgaben für Menschen mit Armutserfahrung und gesundes Essen in Schulen und Kindergärten. Auch Hunger im Alter und die Versorgung von Menschen, die ihre Wohnung nicht selbstständig verlassen können, brauchen Aufmerksamkeit.

Die Stadt kann über die Beschaffung von Lebensmitteln, ihre Kantine und beauftragte Caterer Einfluss nehmen. Eine Dienstanweisung zur nachhaltigen Beschaffung befand sich laut Quelle in der finalen Ausarbeitung; Zero Waste Richtlinien geben bereits einen Rahmen für den Umgang mit Lebensmittelresten. Initiativen wie die Marktschwärmer, die Solidarische Landwirtschaft der Schinkeler Höfe und der Hof Wittschap bringen Lebensmittel aus dem Umland in die Region.

Wie fördert Kiel Bildung?

Ziel 4 steht für inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung sowie lebenslanges Lernen. Kiel setzt unter anderem auf frühkindliche Bildung, Sprachförderung und Familienzentren. Zugleich bleibt es eine Herausforderung, allen Kindern mit Betreuungsbedarf einen Krippen, Kita oder betreuten Grundschulplatz anzubieten.

Auch den Übergang von der Schule in den Beruf begleitet die Stadt. In der Kieler Jugendberufsagentur arbeiten Stadt, Jobcenter, Arbeitsagentur, Schulamt und Regionale Berufsbildungszentren zusammen. Bildung für nachhaltige Entwicklung soll Menschen außerdem befähigen, die Folgen ihres Handelns zu verstehen und an einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken.

Wie verbindet Kiel Arbeit und Wachstum?

Ziel 8 fordert menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges, inklusives Wirtschaftswachstum. Kiel hat eine lange Tradition als Industriestandort und Arbeiterstadt; heute entstehen laut Quelle 85 Prozent der Wirtschaftsleistung im Dienstleistungssektor. Dazu zählen etwa Handel, Handwerk, Pflege sowie technische und kreative Dienstleistungen.

Die Stadt unterstützt unter anderem Gründungen und Innovation. Das Kieler Innovations und Technologiezentrum bietet jungen Unternehmen Raum für den Start, während die Kieler Wirtschaftsförderung und weitere Partner die Gründungsszene begleiten. Zugleich bleibt die Vereinbarkeit von Wachstum und Umweltschutz wichtig: Mit dem Konzept Blue Port setzt der Hafen beispielsweise auf Landstromanlagen, die Abgase verringern sollen.

Warum sind die Ziele 13 bis 15 wichtig?

Die Ziele 13 bis 15 rücken ökologische Grenzen besonders deutlich in den Mittelpunkt. Sie fordern Klimaschutz und die Anpassung an Klimafolgen, den Schutz der Meere sowie den Erhalt von Landökosystemen. Für Kiel sind diese Themen eng mit der Lage am Meer und dem Schutz von Naturflächen verbunden.

Kiel ist seit 1995 Klimaschutzstadt. Der Masterplan 100 Prozent Klimaschutz setzt auf eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen und einen geringeren Energieverbrauch; 2019 rief die Ratsversammlung den Climate Emergency aus. Zur Mobilitätswende gehören unter anderem ein neues öffentliches Verkehrssystem sowie der Ausbau von Velorouten und Fahrradwegen.

Auch an Land steht Kiel vor Zielkonflikten. Die wachsende Stadt braucht Wohnraum, Gewerbeflächen und Verkehrsinfrastruktur, während Bebauung Naturflächen versiegeln kann. Das Freiräumliche Leitbild setzt dafür einen Rahmen und beschreibt ein grünes Grundgerüst, das grundsätzlich von Bebauung freigehalten werden soll.

Wie schützt Kiel Natur und Artenvielfalt?

Zum Kieler Stadtgrün gehören Wälder, Parks, Friedhöfe und Gewässer. Die Stadt verfolgt ein naturnahes Waldkonzept und untersucht seit 2016, welche von 100 getesteten Baumarten dem Klimawandel standhalten könnten. Außerdem wurde eine Zertifizierung des Stadtwaldes nach FSC und Naturland Standard beschlossen.

Der rund 100 Jahre alte Grüngürtel wirkt ausgleichend auf das Stadtklima und bietet Raum für Natur und Artenschutz. Weitere Beispiele sind die Weidelandschaften in Rönne, die Wiedervernässung des Alten Moorsees und die Seekamper Seewiesen. Mit dem Aktionsplan Bienenschutz entstehen außerdem 18 Blühwiesen in verschiedenen Ortsteilen; die Bevölkerung soll bei Auswahl und Umsetzung einbezogen werden.

Was könnt ihr selbst beitragen?

Umweltbildung und Beteiligung ergänzen die städtischen Maßnahmen. Die Kieler Umweltberatung bietet seit Jahrzehnten Beratung und Prävention; im Naturerlebnisraum Alte Stadtgärtnerei Kollhorst gibt es Veranstaltungen vom Apfelsaftpressen bis zur Honigproduktion. Auch ein inklusives Urban Gardening Projekt am Walkerdamm verbindet Begrünung mit Teilhabe.

Die dort entwickelten Hochbeete können auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden. So trägt das Projekt zugleich zur Begrünung der Stadt und zur Inklusion bei. Es zeigt, wie Naturerleben und Teilhabe in einem Vorhaben zusammenkommen können.

Wie verbindet Kiel lokale und globale Ziele?

Nachhaltigkeit endet nicht an der Stadtgrenze. Kiel engagiert sich mit Partnern im Globalen Süden, etwa beim Wiederaufbau einer kommunalen Baumschule in Moshi Rural in Tansania. Dort sollen Bäume herangezogen und auf öffentlichen Plätzen gepflanzt werden.

Die Zusammenarbeit zeigt, wie eine Partnerschaft lokale Projekte mit globaler Verantwortung verbinden kann. Auch der Bau einer Schule für syrische Flüchtlingskinder in Kiels Partnerstadt Hatay gehört zu den genannten Beispielen. Gemeinsame Vorhaben helfen dabei, die Nachhaltigkeitsziele über Ländergrenzen hinweg anzugehen.

Wie könnt ihr Kiel mitgestalten?

Die Stadt setzt auf Austausch zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Bürgerbeteiligung ermöglicht es, Ideen in die Entwicklung Kiels einzubringen; auch der Zukunftsprozess Kiel 2042 lädt zur Mitwirkung ein. Nachhaltigkeit wird so als gemeinsames Vorhaben verstanden.

Für Nachhaltigkeitsprojekte richtete Kiel eine jährliche Förderung von 50.000 Euro ein. Eine Ausschreibung für 2026 ist laut Stadt jedoch bis auf Weiteres nicht möglich, da das Land den Haushalt nur teilweise und unter Auflagen genehmigt hat. Über Änderungen will die Stadt zu gegebener Zeit informieren.

Wenn ihr tiefer einsteigen wollt, findet ihr auf Kiels Nachhaltigkeitsseiten weitere Informationen zu allen 17 Zielen und den lokalen Projekten auf kiel.de.

Mehr Informationen zu Veranstaltungen in Kiel findet ihr unter: kiel-magazin.de

Quelle:  Landeshauptstadt Kiel