Erster modularer Stillraum von Janet Perozo eröffnet

Ist unsere Gesellschaft familienfreundlich genug? Nein, sagt Janet Perozo. Denn Mütter haben es nicht leicht, ihren Alltag mit Kind im öffentlichen Raum zu bewältigen. Auf der Suche nach einem Stillplatz stehen sie zeitweise vor zahlreichen Herausforderungen: unangenehme Blicke, eine ablehnende Haltung oder schlimmstenfalls geäußerte Kritik. Rückzugsmöglichkeiten, die Ruhe und Intimität bieten können, fehlen oder sind nicht bekannt.

Modularer Stillraum von Janet Perozo, Pressefoto
Modularer Stillraum von Janet Perozo, Pressefoto

Diese Situation wollte Janet Perozo, Industriedesignerin, Gründerin eines Start-ups für innovative Stillmode und Preisträgerin des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein 2018, nicht hinnehmen: "Für mein Start-up Perozo habe ich ausgiebige Recherchen und Kontextanalysen über den Stillvorgang und die Bedürfnisse der Mütter durchgeführt. Nach der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs war mir klar, dass ich dieses zu meiner Profession machen würde. Gleichzeitig wusste ich, dass es Lösungsmöglichkeiten bedarf, die über neuartige Stillbekleidung hinausgehen".

Janet entwickelte mit Unterstützung des Muthesius Transferparks das Konzept der Stillräume und erreicht am 31. März 2021 ein wichtiges Etappenziel: die Eröffnung des ersten modularen Stillraums an der Muthesius Kunsthochschule.

Der Stillraum passt sich als modulares System den vorhandenen Gegebenheiten und der gewünschten Nutzungsdauer an. Mit den Komponenten Stillinsel, Sitzkörper und Mobile ist die Einrichtung eines dauerhaften Rückzugsorts ebenso möglich wie die unkomplizierte Bereitstellung temporärer Ruheoasen in Einkaufszentren oder auf Events – wie beispielsweise der Kieler Woche.

Zu ihrem ganzheitlichen Konzept einer stärkeren Familienfreundlichkeit von Städten und Regionen gehören aber noch weitere Bausteine: die Einbindung verschiedener Partner sowie die gezielte Informationsbereitstellung über eine Website und eine mobile App. Damit nach einem entspannten Zwischenstopp der Alltag mit einem zufriedenen Baby weitergehen kann.

Warum Stillräume?

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt. Dennoch erfahren stillende Mütter in der Öffentlichkeit immer wieder Kritik.

Eine Studie der Nationalen Stillkommission (NSK) zeigt, dass jeder Vierte dem Stillen in der Öffentlichkeit ablehnend gegenübersteht. Laut der Nationalen Stillkommission war für jede Zehnte der Befragten, die bereits abgestillt hatten, die ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit ein Grund für das Abstillen.

Mütter auf der Suche nach einem Ort zum Stillen haben es nicht leicht. Zeitlich und auch örtlich ist es seitens Mutter meist nicht planbar; derzeit besteht keine Kenntnis über Möglichkeiten wo geschützte Räume für den intimen Moment zwischen Mutter und Baby existieren. Da es derzeit keine festen Möglichkeiten zum Stillen in Kiel gibt oder aber die Information darüber nicht öffentlich bekannt ist, ist es für die stillende Mutter eine Stresssituation einerseits dem Kind schnell die Brust zu geben und andererseits eine Örtlichkeit zu finden, die es beiden ermöglicht, den Stillvorgang in Ruhe und Geborgenheit zu vollziehen.

Stillräume sind Rückzugsorte für stillende Mütter und ihre Kinder. Diese geschützten Bereiche sollen eingerichtet werden, um diesen normalen Vorgang auch in der Öffentlichkeit unter optimalen Bedingungen sicherzustellen.

Die Geschichte

Für ihr StartUp perozo, der innovativen Bekleidung für stillenden Mütter, hat Janet Perozo im Vorfeld viel über das Stillen und die Bedürfnisse der Mütter recherchiert. Nach der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs war ihr klar, dass sie dieses zu ihrer Profession machen würde. Dabei hat sie immer wieder Berichte über Mütter gelesen, denen es im öffentlichen Raum schwierig oder unmöglich war, ihr Baby zu stillen. Neben großer Ablehnung in der Bevölkerung hat es keine räumliche Möglichkeit zum Stillen gegeben. Dies hat Janet Perozo dazu bewogen, zusammen mit dem Muthesius Transferpark das Konzept Stillräume zu entwickeln. Das System ist dann von ihr aufgrund dieses Konzeptes entwickelt worden.

Die textile Lösung für stillende Mütter hat Janet Perozo mit perozo gefunden, die räumliche mit den Stillräumen vielleicht ebenfalls Bereiche für stillende Mütter sind notwendig, um einerseits der Mutter die Möglichkeit zu geben, ihr Kind in Ruhe und Intimität zu stillen, dennoch aber nicht zu separieren.

Stillräume sind daher einerseits Teil des Raumes, andererseits aber in einem eigens für die Mütter geschaffenen, geschützten Areal.

Vom Soll zum Ist

Der erste Stillraum wird zurzeit bei der Muthesius-Kunsthochschule errichtet, Gespräche mit weiteren Interessenten laufen.

Janet Perozo kann sich sehr gut vorstellen, Stillboxen in der Stadt Kiel für den Innen- und Außenbereich anzubieten. Auch die Vermietung der Stillboxen über Drittanbieter kann sie sich gut vorstellen. Beispielhaft seien hier Restaurants, die öffentliche Verwaltung (z.B. Rathaus), Events wie Kieler Woche oder auch größere Supermärkte, Einkaufszentren etc. genannt. Stillräume sind überall da nützlich und wichtig, wo viele Menschen zusammenkommen und der Stillvorgang ansonsten nicht optimal möglich ist. 

Das Image als besonders familien- und mütterfreundlich, innovationsaufgeschlossen und zukunftsfähig wird mit der Integration eines Stillraumes erreicht.

Weiterhin ist mit einer positiven Strahlkraft auch z.B. durch soziale Netzwerke zu rechnen. Dies ist auch für Besucher und Gäste ein positives Zeichen.

Der Stillraum für jeden Raum und jede Größe

Die Größe des Stillraumes sowie der Anzahl der dazugehörigen Sitzmöglichkeiten sind variabel (Die einzelnen Elemente sind als weitere Sitzgelegenheit, für die Beine und als Ablage gedacht).

Es handelt sich um ein modulares System (schnell aufbaubar- und erweiterbar), welches in Zusammenarbeit mit der Tischlerei Prototyp in Kiel entwickelt wurde. Die Farbwahl wird darüber hinaus individuell gestaltet.

Quelle: Muthesius Transferpark

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