Pflegesensibles Quartier in Kiel

Kiel startet ein innovatives Modellprojekt, das Pflege im direkten Wohnumfeld neu denkt. Mit rund 540.000 Euro Förderung entstehen in Elmschenhagen/Kroog und Wik Strukturen, die pflegende Angehörige entlasten und Nachbarschaft wieder lebendig machen sollen.

Mehrere Menschen vor einer weißen Wand, an der mehrere Bilder aufgehangen sind und die für ein Foto posieren
Sozialministerin Aminata Touré zusammen mit Sozialdezernent Gerwin Stöcken und weiteren beteiligten Menschen des Projekts bei der Übergabe des Förderungsbescheids, © Redaktion Kiel-Magazin.de

Zurückfinden zu einem gemeinsamen Miteinander

Das Projekt verfolgt einen Caring-Community-Ansatz, der Pflege als gemeinsame Aufgabe im sozialen Umfeld begreift. Eine neue Koordinierungsstelle vernetzt lokale Akteure, vermittelt Unterstützungsangebote und organisiert nachbarschaftliche Hilfe. Bestehende Strukturen wie die Anlaufstellen Nachbarschaft (anna) und Pflegestützpunkte werden dabei sinnvoll ergänzt. Ziel ist es, dass ihr eure Nachbarn wieder kennenlernt und ein echtes Miteinander entsteht. Etwas, das vor allem durch die Corona-Pandemie verloren gegangen ist.

Die Bevölkerung wird immer älter und die meisten Menschen möchten im gewohnten Umfeld älter werden und dort gepflegt werden. Pflegende Angehörige sind schon heute der größte Pflegedienst, mit dem erwähnten demografischen Wandel wird diese Bedeutung noch zunehmen. Der Fachkräftemangel und die bürokratischen Hürden seitens des Bundes verschärft die Situation zusätzlich. Deshalb braucht es innovative Ansätze, die eine solidarische und pflegende Gesellschaft direkt vor Ort stärken.

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Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeiten

Durch Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit werden Menschen im Quartier für Pflege sensibilisiert. Der Zugang zu Entlastungsangeboten wird erleichtert – auch mit digitalen Lösungen. Pflegende Angehörige erhalten praktische Unterstützung und werden nicht mit ihrer Aufgabe allein gelassen. Das Projekt ermöglicht pflegebedürftigen Menschen, so lange wie möglich selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung zu leben.

Das Land Schleswig-Holstein und die Pflegekassen fördern das Modellprojekt gemeinsam. Die AOK betont den innovativen Netzwerkcharakter, der professionelle Pflege mit Angehörigen, Nachbarn und lokalen Einrichtungen verbindet. Das Sozialministerium würdigt den Ansatz als zukunftsweisend für eine pflegende Gesellschaft. Beide Partner sehen darin einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Daseinsvorsorge.

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel begleitet das Projekt wissenschaftlich. Untersucht wird, wie sich die neuen Strukturen auf die Belastung pflegender Angehöriger und die Lebensqualität im Quartier auswirken. Besonders im Fokus stehen auch pflegende Kinder und Jugendliche sowie pflegende Eltern. Die Ergebnisse werden in einem praxisnahen "Tool-Koffer" gebündelt und können auf andere Stadtteile übertragen werden.

Welche Perspektive bietet das Modell?

Das Vorhaben läuft von 2025 bis 2028 und wird mit insgesamt rund 1 Million Euro jährlich gefördert. Es ist Teil eines Förderprogramms der sozialen Pflegeversicherung, das neue Versorgungs- und Unterstützungsformen erprobt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen zukunftssicher zu gestalten. Bei Erfolg kann das Modell auf weitere Städte und Gemeinden ausgeweitet werden.

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Quelle:  Sozialministerium SH