Kieler Nachhaltigkeitspreis 2019 geht an fünf Projekte zum nachhaltigen Wohnen und Bauen

"Nachhaltiges Wohnen und Bauen in Kiel" – so lautete das Thema für den Kieler Nachhaltigkeitspreis 2019. Der Preis wird seit 2016 für innovative Ideen, Konzepte und Projekte ausgelobt, die den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen. Die vierte Verleihung des Nachhaltigkeitspreises fand am 20. Mai 2020 im Ratssaal des Kieler Rathauses statt – aufgrund der Corona-Auflagen in einem kleineren Rahmen als gewohnt, nur mit den Preisträgern und mit den nötigen Abstandsregelungen. 

Preisträger, © Landeshauptstadt Kiel / Alexandra Brecht
Preisträger, © Landeshauptstadt Kiel / Alexandra Brecht

"Natürlich hätten wir alle uns gerne eine richtige Preisverleihung mit vielen Gästen, Präsentationen und einer Ausstellung der Projekte gewünscht. Dies ist leider in diesem Jahr nicht möglich. Ich freue mich, dass wir wenigstens in kleinerer Runde zusammenkommen können und ich den Siegerinnen und Siegern die Preise persönlich verleihen kann", erklärte Umweltdezernentin Doris Grondke. 

Bewerbungen für elf Projekte in Kiel waren bei der Jury eingegangen. Insgesamt wurden fünf Projekte mit Geldpreisen und Urkunden ausgezeichnet. Der Nachhaltigkeitspreis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert. Bewertet wurden die Beiträge anhand von sechs Kriterien: Zukunftsoffenheit; Integration von sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten; Kooperation zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen; Ressourcenschonung; Innovation und Vorbildfunktion.

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Umweltdezernentin Grondke konnten in diesem Jahr zwei erste Plätze, zwei zweite Plätze und einen Sonderpreis verleihen.

Einen der Hauptpreise – eine Urkunde und 2.000 Euro – erhält die TING Projekte GmbH & Co. KG für die Entwicklung eines Projektes für privates genossenschaftliches Wohnen. Das Unternehmen widmet sich seit zehn Jahren dem Aufbau von kleinen, privaten Wohngenossenschaften in einem Lebensumfeld mit lebendiger Nachbarschaft. Der Anteil an geförderten Wohnungen beträgt dabei 30 bis 40 Prozent.

Die Jury lobt die insgesamt vier Standorte für TING-Projekte in Kiel (Wohngenossenschaft Dornbraeu eG, Hassee; Ivenspark eG, Neumühlen-Dietrichsdorf; Krummbogen eG; Wellsee eG) als vorbildliche nachhaltige Bau- und Wohnprojekte. 

TING achte auf wohngesunde Materialien, einen Energiestandard von zurzeit mindestens KfW EH 55 sowie einen erhöhten Schallschutz. Bei der Auswahl der Grundstücke spielen eine fußläufige Nahversorgung und die ÖPNV-Anbindung eine wichtige Rolle. Im Ivenspark in Dietrichsdorf wurde ein erstes Carsharing-Wohnen initiiert.  

Den anderen ersten Preis teilen sich der Architekt Florian Michaelis (Gradweise Architektur Atelier) und die Hermann-Ehlers-Stiftung für ihren Neubau eines Wohnheimes für Studierende in Holzhybridbauweise. Sowohl der Architekt als auch der Bauherr hatten sich mit dem Projekt für den Nachhaltigkeitspreis beworben. Als Preisträger teilen sie sich nun die 2000 Euro Preisgeld für den ersten Platz. 

Das Wohnheim wurde auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität errichtet. Zum 1. Dezember 2019 sind die ersten Studentinnen und Studenten eingezogen. Das Gebäude verbindet für die Jury die Anforderungen von sozialer Wohnraumförderung und modernem, nachhaltigem Bauen. Die Höhe der Mieten ist durch ein Inklusivmieten-Konzept gedeckelt.

Die Bauweise ist ein umweltfreundlicher Holzhybridbau. Die Energieproduktion erfolgt durch eine Photovoltaikanlage. Bemerkenswert sind laut Jury-Begründung der KfW-40 Standard, die fensterintegrierte Lüftungsanlage sowie die LED-Beleuchtung. Um die nachhaltige Mobilität zu fördern, gibt es auf dem Gelände zahlreiche Fahrradstellplätze. Für die Jury steht fest: "Das Gebäude könnte ein Vorbild für den Bau von nachhaltigen Mehrfamilienhäusern in Kiel werden."

Auch der zweite Preis wurde in diesem Jahr zwei Mal vergeben. Eine Urkunde und 400,- Euro erhält die Architektin Sabine Schlüter für die Entwicklung des Projekthauses "Zero Waste Space". Der Prototyp dieses nach Zero-Waste-Grundsätze geplante Haus befindet sich derzeit im Bau. Ab Juli wird das Haus als bewohnbarer Prototyp im Wissenschaftspark Kiel stehen und allen Interessierten als Anschauungs- und Testobjekt zur Verfügung stehen. 

Mit dem Projekt "Zero Waste Space" soll prototypisch nachgewiesen werden, dass Gebäude und Designobjekte konzipiert, integriert und realisiert werden können, die einen effektiven Ressourcenschutz ermöglichen. 

Ein weiterer zweiter Preis und damit ebenfalls eine Urkunde und 400,- Euro gehen an den Verein "Gutes Leben – Probsteier Platz", einem Zusammenschluss von Menschen, die sich für nachhaltiges Wohnen einsetzen. Die Gruppe hat ein gemeinsames genossenschaftliches Wohnprojekt in Dietrichsdorf realisiert. 

Es handelt sich um zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 28 Wohnungen, davon wurden 18 Wohnungen von Mitgliedern des Wohnprojekts gemietet. Der Anteil am sozialen Wohnungsbau beträgt 30 Prozent. Hervorzuheben ist laut Jury der KfW-Standard 40, den die GEWOBA verwirklicht hat. Eine der Wohnungen wurde als Gemeinschaftswohnung eingerichtet, unter anderem mit Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. Sie wird allein von den Vereinsmitgliedern finanziert und steht allen Mieterinnen und Mietern zur Verfügung. 

Schließlich wurde von der Jury noch ein Sonderpreis in Höhe von 200,- Euro vergeben an die Studentin Janina Hörmann von der Tischlerei Müller & Co aus Preetz. 

Ziel ihrer Bachelor-Arbeit sollte es sein, ein Möbel zu entwickeln, das den Markt der Nachhaltigkeit bedient, angefasst und betrachtet werden kann und neugierig auf weitere Produkte der Tischlerei macht. Entstanden ist so das vielseitig einsetzbare Möbelstück "Hein". Es ist als Beistelltisch, gedreht als Hocker oder gestapelt als Regal nutzbar. 

Das Möbel ist aus nachhaltigem und regionalem Eiche-Massivholz gefertigt. Die Oberflächenbehandlung erfolgt durch schleswig-holsteinisches Leinöl. Für die Jury des Nachhaltigkeitspreises 2019 steht fest: "Das Möbelstück ist fast ausschließlich mit regionalen Produkten gefertigt worden. Es ist ein guter Beitrag zum nachhaltigen Wohnen."

Quelle: Landeshauptstadt Kiel

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