Kiel stellt Haushalt 2027 neu auf
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Kiel zieht transparent Bilanz: Die weltwirtschaftliche Lage schlägt massiv auf den kommunalen Haushalt durch. Die Stadt stellt ihre Finanzplanung für 2027 neu auf und weist ein Defizit von knapp 170 Millionen Euro aus. Trotzdem hält Kiel an wichtigen Zukunftsinvestitionen fest.
Haushaltslage so angespannt
Die weltwirtschaftliche Entwicklung und anhaltende Konjunkturschwäche belasten den Kieler Haushalt erheblich. Steigende gesetzliche Anforderungen von Bund und Land sowie deutlich höhere Personal- und Sozialausgaben verschärfen die Situation. Parallel entwickeln sich die Einnahmen schwächer als erwartet. Der Haushaltsentwurf 2027 weist nach aktuellem Stand ein Defizit von knapp 170 Millionen Euro aus. Gegenüber dem Berechnungsstand zu Beginn der Sommerpause konnte das erwartete Defizit damit um rund 30 Millionen Euro reduziert werden.
Ausschlaggebend dafür sind höhere Einnahmen aus dem kommunalen Finanzausgleich, weitere Konsolidierungsbeiträge der Dezernate sowie zusätzliche Anpassungen auf der Ausgaben- und Einnahmenseite. Darüber hinaus wurden pauschale Einsparungen bei Bewirtschaftungskosten und Zuschüssen berücksichtigt. Die Entwicklung bleibt jedoch mit Unsicherheiten behaftet.
Die größten finanziellen Belastungen entstehen in Bereichen, die die Stadt nur begrenzt beeinflussen kann. Dazu gehören insbesondere höhere Personalaufwendungen infolge von Tarifabschlüssen, gerichtlichen Entscheidungen und gesetzlichen Vorgaben. Steigende Ausgaben für soziale Hilfen, Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheit, Pflege, Wohnen und Bildung kommen hinzu. Höhere Zinsaufwendungen sowie gestiegene Kosten für die Unterhaltung der städtischen Infrastruktur verschärfen die Lage zusätzlich.
Wie reagiert die Stadt auf die Krise?
Oberbürgermeister Samet Yilmaz erklärt: "Wir legen die finanzielle Situation der Landeshauptstadt Kiel transparent offen – so, wie sie sich uns auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen darstellt. Deshalb haben wir uns bewusst für einen ehrlichen Kassensturz entschieden. Unser Ziel ist es, die notwendigen Konsequenzen frühzeitig zu ziehen, statt Probleme in die Zukunft zu verschieben."
Die Stadt reduziert ihren Bedarf an Investitionskrediten auf voraussichtlich rund 111 Millionen Euro. Das sind etwa neun Millionen Euro weniger als in der bisherigen mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen. Zudem wird der bereits eingeschlagene Stellenabbaupfad konsequent weiterverfolgt.
Als Konsequenz bündelt die Landeshauptstadt Kiel ihre Konsolidierungs-, Transformations- und Modernisierungsprozesse künftig in einer gemeinsamen Steuerungsstruktur. Aufgaben, Prozesse und Organisationsstrukturen werden systematisch optimiert. Digitalisierung wird konsequent genutzt und die Haushaltssteuerung weiterentwickelt. Ziel ist es, finanzielle Entwicklungen künftig früher zu erkennen und damit schneller gegensteuern zu können.
Kämmerer Sascha Thümmler ergänzt: "Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass wir es nicht mit einzelnen Sondereffekten zu tun haben, sondern mit strukturellen Veränderungen der kommunalen Finanzen. Deshalb müssen wir unsere eigenen Strukturen konsequent überprüfen und modernisieren."
Welche Investitionen bleiben möglich?
Gerade in der schwierigen Haushaltslage hält die Landeshauptstadt Kiel an wichtigen Zukunftsinvestitionen fest. Über das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes stehen der Landeshauptstadt insgesamt rund 217 Millionen Euro zur Verfügung. Die Verwaltung geht davon aus, diese Mittel innerhalb der kommenden sechs Jahre vollständig einsetzen zu können. Dadurch können dringend notwendige Sanierungen und Zukunftsprojekte umgesetzt werden.
Künftig werden jährlich rund 36 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Investitionen eingesetzt. Damit kann die Landeshauptstadt trotz der schwierigen Haushaltslage wichtige Investitionen in Infrastruktur und Zukunftsprojekte fortsetzen. Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Wohnungsbau und den gesellschaftlichen Zusammenhalt bleiben Priorität.
Kämmerer Sascha Thümmler erklärt: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfen notwendige Investitionen nicht aufgeschoben werden. Das Sondervermögen bietet die Chance, unsere Infrastruktur zu modernisieren und gleichzeitig den Klimaschutz voranzubringen. Die kommenden Wochen werden wir nutzen, um gemeinsam die Projekte auszuwählen, die mit diesen Mitteln umgesetzt werden sollen."
Was zeigt der Nachtragshaushalt 2026?
Auch der Nachtragshaushalt 2026 zeigt, dass sich die finanzielle Lage der Landeshauptstadt Kiel weiter verschärft hat. Die Kommunalaufsicht hatte den ursprünglich von der Ratsversammlung beschlossenen Fehlbetrag von 101 Millionen Euro mit der Auflage verbunden, diesen um 24 Millionen Euro auf 77 Millionen Euro zu reduzieren. Nach den aktuellen Prognosen wird dieses Ziel jedoch nicht erreicht. Stattdessen wird für das laufende Haushaltsjahr ein Defizit von rund 141,4 Millionen Euro erwartet.
Ursächlich dafür sind vor allem deutlich gestiegene Personalaufwendungen sowie höhere Ausgaben für gesetzlich vorgeschriebene Leistungen. Hinzu kommen die Nachzahlungen für Beamte infolge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur amtsangemessenen Alimentation aus dem November 2025.
Auf eine Haushaltssperre verzichtet die Landeshauptstadt bewusst. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2025 haben gezeigt, dass eine Haushaltssperre zwar kurzfristig Einsparungen ermöglicht, die strukturellen Ursachen der Haushaltsprobleme jedoch nicht löst. Gleichzeitig schafft sie erhebliche Planungsunsicherheit. Stattdessen setzt Kiel weiterhin auf die bereits geltende vorläufige Haushaltsführung. Sie bietet bereits heute wirksame Instrumente, um Ausgaben gezielt zu begrenzen, ohne die Handlungsfähigkeit der Verwaltung oder wichtige Projekte unnötig einzuschränken.
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