25 Jahre Straßenmagazin Hempels

Ein Projektseminar an der CAU beleuchtet Start, Wachstum und Entwicklung der bekannten Zeitschrift.

Hemepls Titelillustration, © Tim Eckhorst
Hemepls Titelillustration, © Tim Eckhorst

Mit ihren Artikeln über das Leben auf der Straße gibt die Zeitschrift Hempels Wohnungslosen und Menschen, die am Existenzminimum leben, eine Stimme – und das inzwischen seit einem Vierteljahrhundert.

Anlässlich des Jubiläums haben Studierende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) das Archiv des Magazins erforscht und Beteiligte interviewt.

Die ersten Überlegungen zum Straßenmagazin gab es 1995, im Januar 1996 erschien die erste Ausgabe in Kiel. Aus der Zeitungsidee ist inzwischen ein professionell gestaltetes Magazin geworden, das nicht nur in Kiel, sondern in ganz Schleswig-Holstein Abnehmer findet.

Wie den Hempels-Machern das gelungen ist und wie alles begann, das haben sechs Studierende unter Leitung von Regionalhistoriker Professor Oliver Auge am Historischen Seminar zusammengetragen. Denn wer sich mit Geschichte beschäftigt, muss nicht zwangsläufig Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückgehen.

Großes persönliches Interesse am Thema

Das realitätsbezogene Thema motivierte die Studierenden: "Sie hatten ein deutlich persönlicheres Interesse, sich mit der Geschichte von Hempels zu beschäftigen", sagt Auge. Zudem kennen die Studierenden das Magazin. Eine Studentin hatte früher in einer Kieler Praxis gearbeitet, in der Menschen mit Drogenproblemen Substitutionsmittel bekamen. Dabei lernte sie auch Hempels-Verkäufer kennen. "Sie wollte wissen, was hinter dem Straßenmagazin steckt."

Informationen aus erster Hand erhielt die Gruppe bei Recherchen vor Ort, in der Redaktion, bei Besuchen von Einrichtungen wie dem Café "Zum Sofa" und bei Gesprächen mit der Redaktionsleitung und Straßenverkäufern. Aus diesen wurden verschiedene kurze Geschichten, die aus vielen Blickwinkeln die Arbeit des Hempels-Teams beleuchten.

"Eine Herausforderung war, dass die Texte nicht wie gewohnt wissenschaftlich geschrieben sein sollten, sondern eher journalistisch für alle interessierten Lesenden", sagt Auge. Das sei der Gruppe jedoch gut gelungen, wie die Texte zeigen. Zu lesen sind diese auf der Website des Straßenmagazins www.hempels-sh.de/ueber-uns/hempels-seminar-1

Geschichten aus 25 Jahren Hempels-Arbeit

Wie im Juli 1995 alles begann ist eine der Geschichten, berichtet der Professor. Sie erzählt, von wem die Idee zum Straßenmagazin stammte und wie diese von Köln nach Kiel kam. Die Texte handeln auch von der Begeisterung für das Magazin, von den Schwierigkeiten bei der Herstellung und von der großen Bedeutung für die Verkaufenden. Sie berichten auch vom großen Umbruch, der für Hempels einen erfolgreichen Neuanfang markierte.

Seitdem ist die Zeitschrift nicht nur in Kiel, sondern in ganz Schleswig-Holstein zu lesen. Wohin die Hempels-Reise in einer Zeit der fortschreitenden Digitalisierung und bargeldlosem Zahlungsverkehr geht, damit beschäftigen sich die Studierenden ebenfalls. Radio- und Social-Media-Formate waren bereits der erste Schritt hin zu mehr Internetpräsenz.

"Das ist das erste Mal, dass wir ein so gegenwartsnahes Thema bearbeiten."

"Die Geschichte von Hempels und den Ansatz des Straßenmagazins finde ich aus der Sicht des Regionalhistorikers hoch spannend", sagt Auge, "weil Hempels zu seiner Gründungszeit hierzulande noch ein ganz neuer, innovativer Weg war und weil sich durch die Sichtung des Materials in Kombination mit Zeitzeugengesprächen Sozialgeschichte der jüngsten regionalen Vergangenheit und aktuelle Sozialpolitik sehr gut zusammenführen lassen."

Das ist der Grund, warum der Professor für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit das "aus dem Hier und Jetzt gegriffene Thema" zum Inhalt eines Projekts gemacht hat. "Das ist das erste Mal, dass wir ein so gegenwartsnahes Thema in einem studentischen Projekt bearbeiten."

Andere bisher realisierte Projektarbeiten wie "100 Jahre Kieler Rathaus" (2011) oder "Kieler Perspektiven auf die Grenzabstimmung 1920" (2020) führten die Studierenden bislang deutlich weiter zurück in die Vergangenheit.

Eines der nächsten Projekte wird sich mit der Aufarbeitung des bisher unbekannten Nachlasses von Max Planck, der in Kiel liegt, befassen.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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