Der perfekte Tag

"Perfekt!, ein Wort mit massig Bedeutungen. Für Germanisten ist es schlichtweg die Vergangenheitsform, beziehungsweise genauer gesagt die vollendete Gegenwart. Für verliebte Jugendliche ist es der Lebensabschnittsgefährte oder die Lebensabschnittsgefährtin. Und für einen Koch ist es ein reibungsloser Abend.

Start in den perfekten Tag in Kiel, © iStock.com/Bobex
Start in den perfekten Tag in Kiel, © iStock.com/Bobex

Reibungslos … oder auch problemlos. Vielleicht ist das ja die Definition dieses so häufig verwendeten Wortes – die Germanistik jetzt mal außen vor gelassen.

Perfekt kann vieles sein. Kleine Dinge wie ein Pudding, der so gut ist, dass die Gäste metaphorisch in Ohnmacht fallen. Es kann aber auch der Tag der Hochzeit sein, an dem irgendwie alles "perfekt" läuft.

Aber was ist mit dem perfekten Tag selbst? Gibt es den? Wenn ja, sieht er für jeden und jede von uns verschieden aus. Aber gehen wir ihn doch einfach mal durch.

Der Morgen …

… mit all seinen Ritualen leitet den Tag ein. Naheliegend ist, dass es ein Tag ohne Arbeit ist, zu der man aufgrund der Erwerbstätigkeit zwecks Überleben sonst gezwungen ist. Somit beginnt der perfekte Tag mit einem entspannten Aufwachen. Man hat seine acht Stunden geschlafen, startet mit Energie in die Aufwach-Phase. Man streckt sich, man räkelt sich. Die Hände gen Himmel, ein tiefer Seufzer und schon ist man bereit für den Tag.

Bettdecke zur Seite und raus aus den Federn. Durch das gekippte Fenster kommt der angenehm leichte Duft der Kieler Ostsee in die Nase und lässt das schöne Gefühl von Urlaub frei werden.

Dazu kommt jetzt der Duft des Kaffees, der frisch gemahlen durch die Siebträgermaschine in die schneeweiße Lieblingstasse fließt, um von dort aus seines Amtes zu walten und seine Röstaromen freizulassen. Durch das gestrige Putzen ist die Wohnung perfekt sauber, nirgends liegt Staub, nirgends findet man auch nur die winzigsten Schmutzpartikelchen. Da der Körper und Geist aber noch einen ganzen Tag vor sich haben, muss jetzt noch etwas zu futtern her.

Deswegen gesellt sich zum Duft der Kieler Ostsee und den Röstaromen des Kaffees zusätzlich noch das Süße der frischen Pancakes, die da in der Pfanne so vor sich hinbrutzeln und auf die verdiente Ahornsirup-Dusche warten.

Nach dem Frühstück dann noch den Ingwer-Zitrone-Erdbeer-Banane-Smoothie und die Anzieh-Zeit kann eingeleitet werden. Währenddessen laufen natürlich die ganze Zeit die liebsten Musiktitel rauf und runter.

An einem perfekten liegt das perfekte Outfit auch ganz oben im Schrank. Also zieht man das nach einer ausgiebigen Dusche samt fruchtigem Shampoo an und legt noch die nötigen Accessoires an.

Der Mittag …

... soll natürlich etwas Action bringen. Der kleine Adrenalinkick für Zwischendurch sozusagen. Wie wäre es also mit einem Kletterpark? Gefunden hat man diesen über die Website des Kletterparks, die ganz oben in Google angezeigt wurde – sogar irgendwie zweimal. Einmal via Google Adwords und einmal als organische Anzeige. 

Dort im Kletterpark, kann man auf die Menschen unten blicken, die Welt kleiner werden lassen und den Glückshormonen im Kopf freien Lauf lassen, sich zu verbreiten und dieses warme Gefühl von Glück, Spaß und Freude lauter werden zu lassen. An einem perfekten Tag klappt natürlich jedes Klettermanöver und man schwingt sich über den eigenen Höhenrekord weit hinaus. Heute spielt Angst keine Rolle.

Dabei mögen die Deutschen – wenn man diese als Gruppe verallgemeinern möchte – die Action in der Freizeit gar nicht so sehr. Am liebsten entspannen sie, frönen der Faulheit, schauen Fernsehen und daddeln an ihren Smartphones herum.

Bei unserem perfekten Tag aber gibt es die drei bis vier Stunden Action im Kletterpark – und das natürlich nicht alleine. Die Freunde sind das erste Mal nach dieser weltweiten Pandemie mit Corona mal wieder alle zusammen gekommen. Das erste Mal macht man zusammen wieder die Welt ein wenig unsicherer, aber auch spaßiger. Im Kletterpark wird massenweise Quatsch gemacht, der einen jeden aus dem nervenzerreißenden Alltag herausholt und für drei bis vier Stunden zum Kind macht.

Danach lässt man sich völlig ausgepowert in den Autositz fallen, der an dem perfekten Tag natürlich auch schon von vorneherein perfekt eingestellt ist. Und dann geht es zur Vorbereitung auf den letzten Tagesordnungspunkt nach Hause.

Der Abend …

… muss natürlich auch der krönende Abschluss eines solchen Tages sein. Also gehts zurück in der Wohnung abermals unter die Dusche – man hat im Kletterpark ja schließlich alles gegeben und dementsprechend auch geschwitzt.

Die Dusche hat sofort die perfekte Temperatur und das Wasser verwöhnt jede einzelne Pore der Haut. Danach rein in schickere Kleidung und ab ins Auto, um mit den Freunden noch etwas Essen und Trinken zu gehen. Zuerst geht es in ein semi-schickes Restaurant mit fantastischer Pasta und noch besserem Weißwein. Zwei Gläser natürlich – es ist ja der perfekte Tag.

Und dieser soll seinen Abschluss ebenso perfekt in beispielsweise einem schönen Pub finden, der das beste Guinness und tolle, klassische Cocktails ganz ohne unnötige Blinklichter serviert. Dort klingt der Tag aus, man begießt die Perfektion dieses Tages und schleppt sich später etwas angeheitert zurück nach Hause, um dort rasch in den bequemen Pyjama zu huschen und sich froh und zufrieden in die weichen Federn fallen zu lassen.

Ein Tag, der dem Wort "perfekt" wohl in vielerlei Hinsicht gerecht wurde.
Dann geht die Kieler Sonne über dem Wasser unter und man verfällt den Träumen einer ebenso perfekten Welt.

Weitere Empfehlungen