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Kiel - Eine Stadt stellt sich vorWirtschaft
Die riesigen Portalkräne auf der Werft am Ende der 17 Kilometer langen Förde prägen nach wie vor das Stadtbild. Aber das wirtschaftliche Leben der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt hat seinen Schwerpunkt nicht mehr allein im Schiffsbau, der Ende des vergangenen Jahrhunderts zusammen mit der Marine Kiel zur Großstadt machte.

Die rund 240.000 Kielerinnen und Kieler leben und arbeiten heute in der Bildungs- und Dienstleistungsmetropole des nördlichsten Bundeslandes. Fast drei Viertel aller Beschäftigten sind in diesem Bereich tätig (Bundesdurchschnitt: etwa die Hälfte). Kiel ist außerdem Bankenplatz. Als Sitz der Landesregierung hat die öffentliche Verwaltung eine besondere Bedeutung. Verschiedene Bundesbehörden, die Verwaltungszentralen von Organisationen und Dienstleistungsunternehmen sowie Hochschulen sind hier angesiedelt.

Mit den Nachbarstädten Eckernförde, Rendsburg und Neumünster als weiteren Eckpfeilern gehört Kiel zur Wirtschafts- und Kulturregion K.E.R.N. Rund 700.000 Menschen leben hier. Kiel bietet eine vielseitige Kulturszene, attraktive Einkaufsmöglichkeiten und Unterhaltung von Kino bis Casino. Mit dem reizvollen Umland samt den Badeorten an der Förde besitzt die Stadt auch viel natürlichen Freizeitwert.

Die Rolle des Wassers
Die wichtigste Rolle in Kiel spielt - wie schon vor einem dreiviertel Jahrtausend - das Wasser. Des Wassers wegen ließ der schauenburgische Graf Adolf IV. um 1233 auf der Halbinsel eines Fördearms - dem heutigen "Kleinen Kiel" - seine "Holstenstadt tom Kyle" anlegen. 1242 erhielt sie die Stadtrechte. Der sturmsichere, natürliche Tiefwasserhafen sollte zum Stützpunkt im Ostseehafen werden. Aber trotz einer über 200 Jahre dauernden Mitgliedschaft  in der Hanse vom Ende des 13. Jahrhunderts an blieb die Fördestadt lange Zeit nur ein regionales Zentrum.

Kieler Umschlag
Der Adel jedoch machte Kiel im 14. Jahrhundert zum Ort eines von Skargen bis zur Elbe bedeutenden Kapitalmarktes, dem alljährlichen "Kieler Umschlag", an den Kaufleute unserer Zeit jeden Februar mit einem Volksfest erinnern.

Universität
Eine deutliche Belebung brachte die nach Herzog Christian Albrecht benannte Universität, die Kiel 1665 erhielt. Im Kieler Schloss wurde der russische Zar Peter III. geboren. Die Stadt stand unter deutscher und dänischer Herrschaft. 1848 war Kiel Schauplatz der sogenannten Schleswig-Holsteinischen Erhebung, des Versuchs, die beiden Herzogtümer aus dem dänischen Gesamtstaat zu lösen. Die Stadt hatte 1865 einen österreichischen Statthalter und wurde von Preußen annektiert. Insgesamt führte Kiel jedoch lange Zeit ein eher beschauliches Dasein.

Entwicklung zur Großstadt
Dies änderte sich rasant, als 1871 Kiel zum Reichskriegshafen erklärt wurde. Der Marine folgten schnell die Werften. Binnen weniger Jahrzehnte wuchs Kiel zur Großstadt. Bereits um 1900 hatte Kiel mehr als 100.000 Einwohner. Bis 1918 sollte die Bevölkerung auf 300.000 anwachsen, danach wieder radikal sinken. Kaum eine andere deutsche Großstadt hatte solche Bevölkerungsschwankungen zu verzeichnen wie Kiel.

Der Erste Weltkrieg
Am Ende des Ersten Weltkrieges ging vom Kieler Matrosenaufstand von 1918 das Signal zur Revolution in Deutschland aus, die zum Ende des Kaiserreiches und zur ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, führte. Kiel litt stark unter den Kriegsfolgen, darunter der weitgehende Abbau der Marine. Die Wirtschaft brach fast vollständig zusammen. Die spätere Hochrüstung unter dem nationalsozialistischen Regime brachte eine wieder sehr einseitige Ausrichtung der Stadt auf militärische Produktion. Als großer Militär- und Rüstungsstandort war Kiel im Zweitem Weltkrieg Hauptangriffsziel der alliierten Bomber.

Nach über 90 Bombenangriffen lag Kiel zu fast 80 Prozent in Schutt und Asche. Unter britischer Besatzung wurde Kiel 1948 Hauptstadt des neuen, eigenständigen Landes Schleswig-Holstein. Die Bevölkerung, darunter sehr viele Flüchtlinge baute ihre Stadt fast völlig neu auf; nach damals modernen Maßstäben. So entstand schon 1957 die Einkaufsstraße Holstenstraße, eine der ersten Fußgängerzonen in der Bundesrepublik.

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