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Der Gottorfer Globus und das Globushaus im Barockgarten von Schloss Gottorf
Blick auf den Globus mit der Darstellung der Erde, (c) www.fotomatzen.de/

Schloss Gottorf
24837 Schleswig
Telefon 04621/81 30
Fax: 04621/81 35 55
E-Mail: info@schloss-gottorf.de

 

 

Geöffnet:

April bis Oktober:
täglich 10.00-18.00 Uhr

Anmeldung: dringend erforderlich unter Telefon 0 46 21/81 32 22
Eintritt:

Sa/So/Feiertag 14,- Euro, erm. 11,50 Euro
Di/Mi/Do 11,- Euro, erm. 8,50 Euro
Mo/Fr 10,- Euro, erm. 7,50 Euro

Kinder dürfen erst ab 6 Jahren in den Globus. Käufer einer Globushaus-Eintrittskarte erhalten auf die Eintrittskarte für das Volkskunde Museum Hesterberg eine Ermäßigung (1,- Euro statt 2,- Euro pro Person)

Das neue Globushaus, Foto: Stefan MüllerDer Ruhm Gottorfs als blühende Residenz verdankte sich im 17. Jahrhundert nicht nur der in ganz Europa gerühmten herzoglichen Kunstkammer, sondern mehr noch dem nördlich des Schlosses angelegten barocken Garten, einem prächtigen, fünfstufigen Terrassengarten italienischen Zuschnitts sowie – in dessen Zentrum – dem berühmten Gottorfer Globus. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597-1659) hatte dieses Wunderwerk zeitgenössischer Handwerkskunst, Naturwissenschaft und Technik ab 1650 von seinem Hofgelehrten Adam Olearius planen und errichten lassen. Um es zu beherbergen, ließ er im Scheitel einer halbkreisförmigen Garteneinfriedung am Herkulesteich das sogenannte Globushaus errichten.

Nie zuvor war ein Projekt derartigen Ausmaßes gewagt worden: Mit einem Durchmesser von über drei Metern bot der Globus, auf dessen Außenfläche die gesamte damals bekannte Welt kartographisch wiedergegeben war, im Kugelinneren bis zu 12 Personen auf einer umlaufenden, hölzernen Sitzbank Platz. Die Innenhaut der doppelwandigen Hohlkugel zeigte – figürlich ausgeschmückt – einen vollständigen Sternenglobus, der suggestiv den Lauf der Gestirne über das Firmament vorführte. Der Ort der Erde im All war in Form einer Halbkugel zentral im Globus, auf einem Tischchen um die geneigte Erdachse vergegenwärtigt. Angetrieben wurde die Apparatur durch einen Wassermühlenantrieb. Getriebe, die man dem zeitgenössischen Uhrenbau entlehnt hatte, sorgten für eine Umdrehung in 24 Stunden. Wem dies zu lange dauerte, konnte eine Handkurbel betätigen und so die "Welt bewegen".

Es lässt sich leicht vorstellen, dass dieser mechanisch bewegte Erdglobus (außen) und das neuartige, von Kerzen erhellte Planetarium (innen) auf Basis des – noch – ptolemäischen, d. h. geozentrischen Weltbildes von seinen Besuchern als ein wissenschaftlich-kosmologisches Anschauungsobjekt ersten Ranges bestaunt und geschätzt wurde. Der Globus verschaffte den Schleswiger Herzögen unter den europäischen Gelehrten großes Ansehen. Er stand für die wissenschaftliche Ambition und Offenheit sowie für das künstlerisches Mäzenatentum Friedrich III.

Blick über den Globus auf Schloß Gottorf, (c) www.fotomatzen.de/Nicht zuletzt das Begehren Zar Peters des Großen, der sich den Globus 1713, nach der Niederlage der Gottorfer in Auseinandersetzungen mit der dänischen Krone, als Geschenk erbat, belegt die damalige Berühmtheit der Apparatur. Der wissenschaftsinteressierte Zar ließ den Globus aus der Friedrichsburg herausbrechen und in die kurz zuvor gegründete Stadt St. Petersburg verbringen. 1945 war der Globus noch einmal für kurze Zeit in Schleswig-Holstein, in Lübeck, wohin er von der "Kunstschutztruppe" der Wehrmacht auf dem Rückzug aus Russland verschleppt worden war. Die Briten restituierten den Globus bald darauf an die Sowjetunion. In der Kunstkammer des St. Petersburger Lomonossow-Museums, direkt an der Neva, befindet sich bis heute der durch Feuersbrunst, Kriegswirren und durch seine weiten Reisen stark beschädigte und immer wieder aufs neue restaurierte Globus noch heute. Seit Jahren besteht der Wunsch, den Terrassengarten von Schloss Gottorf in seiner barocken Pracht – mit Globushaus und Globus – wiedererstehen zu lassen, da er einen festen Bestandteil im historischen Zusammenhang der Schlossanlage bildet und in seiner langen Geschichte nie grundlegend überformt worden war.

Während die "Zeit Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius" und die "Deutsche Bundesstiftung Umwelt" die Wiederherstellung des Gartens finanzieren, ermöglichte die großzügige Förderung der "Hermann Reemtsma Stiftung" den Bau des neuen Globushauses und eines getreuen Modells des Gottorfer Globusses.

Besonders der Bau eines originalgetreuen Modells des riesigen Gottorfer Globusses zeigte sich als besonders schwierig, da das Original in St. Petersburg durch einen Brand im 18. Jahrhundert weitgehend zerstört worden war und lediglich das konstruktive Gerippe heute noch als authentisch angesehen werden darf. Die gesamte, äußerst komplizierte Antriebstechnik war überdies auf der langen Odyssee nach Russland verloren gegangen. Ähnlich wie in der Mitte des 17. Jahrhunderts musste deshalb ein Firma gefunden werden, die in der Lage ist, die historische gesicherten Erkenntnisse zum Gottorfer Globus aufzunehmen, daneben jedoch die zeitgemäßen sicherheitstechnischen Anforderungen einzuplanen und zu erfüllen, ohne dass sich das Modell vom einstigen Gottorfer Globus unterscheidet.

In Jochen Sörensen fand die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf einen kongenialen Nachfolger von Andreas Bösch, dem einstigen Erbauer des Gottorfer Riesenglobus. Sörensens Globus nimmt die zentralen Konstruktionsmerkmale des historischen Globusses auf und verbindet sie mit den sicherheitstechnischen Notwendigkeiten unserer Tage. Hierdurch lässt sich der neue Gottorfer Globus in seiner äußeren Erscheinung nicht vom historischen Vorbild unterscheiden, wird jedoch durch modernste Antriebstechnik heutigen Anforderungen gerecht.

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